Interview mit dem CCI- Area Sales Manager für den deutschsprachigen Markt Siamak Forouhi.
Redaktionssysteme sind ein wesentlicher Eckpfeiler für die Verlagshäuser. Für die konvergente Redaktion ist es mit entscheidend, wie das Redaktionssystem das crossmediale Publizieren auf verschiedenen Kanälen unterstützt. Wir sprachen mit einem weltweit tätigen Software-Anbieter für Zeitungen und Verlagsgruppen über die Zukunft der Redaktion und die Unterstützung, die Redaktionssysteme dem konvergenten Journalismus bieten können. CCI Europe beliefert mit den Programmen CCI NewsGate und CCI NewsDesk in Deutschland zum Beispiel DIE WELT, die Saarbrücker Zeitung und den Südkurier.
Wie unterstützen Ihre beiden Produkte NewsGate und NewsDesk crossmediales Publizieren in Zeitungsredaktionen?
NewsGate ist ein völlig neuartiges Redaktions- und Content-Management System, es ermöglicht Hintergrundinformationen, Quellmaterial, Kontakte und andere relevante Informationen zusammen mit den Artikeln zu speichern, und für unterschiedliche Medien zu verwenden. NewsGate ist grundsätzlich eine Plattform für crossmediales Publizieren. Alle Benutzer haben gleiche Oberflächen, egal ob sie für Radio, Fernsehen, Print oder Online produzieren.
NewsDesk ist dagegen ein traditionelles Redaktionssystem, aber es ist dafür entwickelt worden, dass Nachrichtendaten und deren verknüpfte Metadaten in einem medienneutralen, XML-ähnlichen Format gespeichert werden. Form und Inhalt sind effektiv getrennt.
Was unterscheidet CCI beim crossmedialen Publizieren von anderen Redaktionssystemherstellern?
Der große Unterschied zwischen NewsGate und anderen Systemen besteht darin, dass viele Systeme ein Patchwork von verschiedenen Applikationen und Programmen sind. Sie sind eine Mischung verschiedener Teile wie zum Beispiel Print-Redaktionssystem, Anzeigensystem und Web-Content-Management System. Sie sind nicht so einheitlich wie NewsGate.
CCI hat viel Erfahrung mit großen amerikanischen Zeitungsredaktionen. Worin unterscheiden sich amerikanische und deutsche Redaktionen?
Die Systeme an sich sind fast ähnlich. Große Unterschiede gibt es derzeit noch in den redaktionellen Workflows. Mit der Zeit werden meiner Meinung nach deutsche und die amerikanische Produktionsprozesse aber immer ähnlicher. Seit Anfang des Jahres ist durch die so genannten Newsrooms die Crossmedialität in Deutschland ein großes Thema geworden. Es geht nun auch hier nicht mehr in erster Linie darum, Kosten zu sparen, sondern die Qualität zu verbessern, mehrere Kanäle zu bedienen und die Kommunikation in der Redaktion zu optimieren.
Kann man in beiden Ländern mit dem gleichen Redaktionssystem arbeiten – oder muss man die Software länderspezifisch anpassen?
Es gibt immer Integrationsunterschiede. Zum Beispiel in Deutschland arbeiten viele Verlagshäuser mit dem PPI-System, was für die Blatt-Planung entwickelt worden ist. Das ist in Amerika ganz neu, daher müssen die CCI-Systeme in den USA noch an PPI angepasst werden.
Wenn Sie die Konvergenzprozesse in deutschen Redaktionen mit denen in anderen Ländern vergleichen – welche Unterschiede sehen Sie?
Neuartige Redaktionssysteme, die Konvergenz voll und ganz unterstützen, sind in Deutschland noch nicht installiert. Zwar behaupten viele unserer Mitbewerber, dass sie Konvergenz-Systeme installiert haben, aber das ist meist nichts anderes, als Inhalte der Print-Produkte online zu stellen. Aber nach meiner Einschätzung werden wir in diesem Jahr zwei oder drei Kunden für unser neues System NewsGate gewinnen, das dann wirklich komplett die Konvergenz unterstützt. Die Redaktionen brauchen Systeme, die konvergente Inhalte produzieren, unterstützen und alle Kanäle bedienen – auch wenn dafür die Erstinvestition in das System teurer ist als bei konventionellen Systemen.
Wo liegen noch Herausforderungen für CCI in der Unterstützung konvergenter Redaktionen? Welche Neuerungen planen Sie?
Die große Herausforderung für uns und unsere Kunden ist der schnell wachsende und wechselnde Markt, sodass wir heutzutage nicht mehr die Zeit haben, langfristig zu planen. Daher müssen wir immer eine Plattform zur Verfügung stellen, mit der unsere Kunden sehr kurzfristig planen und neue Produkte schnell umsetzen können. Zum Beispiel wurde mit unserem System DIE WELT-kompakt produziert: Sie ist innerhalb von wenigen Monaten auf den Markt gekommen. Das war ein großer Erfolg.
Was wir in wenigen Monaten vermarkten werden, ist ein ganz neues System. Es heißt NewsGate including PrintProduction und wird gerade in den USA und Norwegen installiert. Das ist eine Kombination zwischen NewsGate plus Print- Produktionsmodule, und somit wird der NewsDesk auch ein Bestandteil von NewsGate sein.
Immer mehr Zeitungsverlage integrieren in den Newsroom mehrere Kanäle: Neben der klassischen Print-Produktion, das Internet mit Video, Audio und Nutzerbeteiligung oder die mobile Kommunikation. Wohin gehen Ihrer Meinung nach die Trends in der crossmedialen Redaktion, was bringt die Zukunft?
Schwer zu sagen. Aber meiner Meinung nach werden sich viele Verlagshäuser zu Medienhäusern wandeln, wenn sie weiter mit diesen Trends wachsen und somit erfolgreich bleiben wollen. Zwar gibt es zurzeit deutsche Verlagshäuser, die jetzt schon an Fernsehanstalten und Radiosendern beteiligt sind, aber das alles wird getrennt produziert. Damit diese Verlagshäuser alle Kanäle aus einer Plattform bedienen können, werden sie bestimmt die neuen konvergenten Systeme installieren.


