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Article from iframagazine.com
IFRA Track 4.1 - Interview with Manfred Werfel, IFRA
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Manfred Werfel, IFRA Research Director und Deputy CEO, zu Standards im Allgemeinen, IFRA Track im Besonderen und zum Traum von der vollautomatischen Zeitungsproduktion.
IFRA: IFRA hat die Standardisierung in unterschiedlichen Bereichen der Zeitungsproduktion vorangebracht. Ganz allgemein: Wozu braucht man Standards?
Manfred Werfel: Wenn ich an der Tankstelle Benzin nachfülle, kann ich davon ausgehen, dass mir norm-konformer Kraftstoff verkauft wird, der die Erfordernisse meines Motors erfüllt. Die Norm stellt sicher, dass der Treibstoff für mein Auto geeignet ist und keinen Schaden anrichtet. Dazu braucht man Standards und Normen. Sie sorgen dafür, dass sich die Teilnehmer am Geschäftsleben leicht und eindeutig verständigen können.
In der Druckindustrie sorgen Standards dafür, dass sich Kunden und Lieferanten schnell und eindeutig über Maße und Qualitätsmaßstäbe verständigen können. Die Norm DIN ISO 12647-3 spezifiziert beispielsweise die Farbdruckqualität des Coldset-Zeitungsdrucks. Seit es sie gibt, wissen Kunden und Zeitungsdrucker, welche Farben in welcher Qualität gedruckt werden können. Vorher war das viel schwieriger.
IFRA: Welche Bedeutung hat IFRA Track für die Abläufe in der Zeitungsproduktion bzw. was ist die Zielsetzung?
M. Werfel: IFRA Track ist eine Konvention über den Austausch von Meldungen zwischen allen an der Produktion einer Zeitung beteiligten Systemen. Zum Beispiel ist festgelegt, wie ein CTP-System mitteilt, dass es bereit ist, Platten zu belichten, und wie die Mitteilung lauten muss, wenn es gerade keine neuen Seitendaten belichten kann, weil sich eine Platte verkantet hat. Dieses System von Statusmeldungen ist so aufgebaut, dass es in jedem Produktionsschritt von jedem beteiligten Subsystem – wie zum Beispiel einer Druckmaschine oder einer Einsteckmaschine – genutzt werden kann. Dabei ist es völlig gleichgültig, von wem das jeweilige System hergestellt wurde.
Ziel von IFRA Track war und ist es, den Aufbau einer systemübergreifenden Produktionssteuerung zu ermöglichen und zwar dergestalt, dass jederzeit einzelne Subsysteme ausgetauscht werden können, ohne dass die Kommunikation unterbrochen wird.
Daher war IFRA Track immer frei für alle Interessenten und Hersteller verfügbar und öffentlich für jedermann zugänglich. Es gab nie einen Kopierschutz, im Gegenteil, wir haben jeden ermuntert, IFRA Track einzusetzen.
IFRA: Eine Etablierung von IFRA Track als branchenweiter Standard würde den Systemintegratoren die Arbeit erleichtern. Warum sollten auch die Zeitungsanwender selbst ein Interesse daran haben, dass die Systemanbieter IFRA Track-Standardschnittstellen und nicht individuelle Schnittstellen nutzen?
M. Werfel: Hersteller-spezifische individuelle Schnittstellen haben zwei entscheidende Nachteile: Sie sind zu teuer in der Programmierung und in der Pflege, weil die Anzahl Nutzer immer relativ klein ist. Zweitens binden sie den Anwender in einer ungewollten Weise an den jeweiligen Hersteller. Der möchte aber vielleicht ein bestimmtes RIP gegen ein neueres und schnelleres von einem anderen Hersteller austauschen. Diese Möglichkeit hat er nur dann, wenn alle Systeme sich untereinander mit der selben Sprache – nämlich mit IFRA Track – verständigen. IFRA Track ist die Standardsprache der Produktionssteuerung, das, was Esperanto einmal in der Welt der menschlichen Sprachen sein sollte. Es hat diese Rolle aber nicht wirklich spielen können. Stattdessen ist heutzutage Englisch die Standard-Sprache.
IFRA: Wie geht es mit IFRA Track weiter? Wird es eine Ausweitung der Anwendungsfelder geben? Wie können Hersteller und Anwender zur Weiterentwicklung beitragen?
M. Werfel: Zunächst einmal freut es uns, dass mit der neuen Version 4.1 nach fast 20 Jahren IFRA Track auf breiter Front von Systemlieferanten in der Praxis eingesetzt wird, um die verschiedenen Produktionssysteme miteinander zu vernetzen und um eine übergreifende Steuerung zu gewährleisten. Diese Version 4.1 stellt ja eine aktuelle Anpassung des Funktionsumfangs an die Erfordernisse der modernen Zeitungsproduktion dar. Ähnlich wird sich auch künftig IFRA Track immer wieder den sich entwickelnden und sich erweiternden Anforderungen angleichen müssen, wenn es auch künftig seine Rolle spielen soll. Insgesamt handelt es sich aber nach so vielen Entwicklungsjahren um ein System, das bereits eine hohe Reife erlangt hat und seine Praxisreife nicht erst noch beweisen muss. IFRA: Steht der lang gehegte Wunschtraum von der vollautomatischen Zeitungsproduktion kurz vor seiner Erfüllung oder wird man noch lange davon träumen müssen? Berechtigt die neuerdings erlangte breite Akzeptanz von IFRA Track in der Industrie zur Hoffnung auf eine Beschleunigung dieser Entwicklung?
M. Werfel: Wenn wir den Begriff „vollautomatische Zeitungsproduktion“ durch „vollständig integrierte Produktionssteuerung“ ersetzen, dann will ich die Frage uneingeschränkt bejahen. In der Januar-Ausgabe des IFRA Magazine war ein iPhone abgebildet, mittels dessen Farbregister und Dichte der aktuell laufenden Produktion an jedem Ort der Welt überwacht werden können. Das zeigt beispielhaft das Potenzial moderner Produktionsüberwachungssysteme.
Ob wir dagegen jemals eine vollautomatische Zeitungsproduktion haben werden, ist eine andere Frage. Solange der Offsetdruckprozess für die Zeitungsherstellung eingesetzt wird, ist menschliche Überwachung und Steuerung in gewissem Umfang wohl immer notwendig, denn es gibt so viele Prozessvariablen – bedingt durch die eingesetzten Materialien und Maschinen – dass man diesen komplexen Prozess schwerlich jemals in einem Vollautomaten wird darstellen können. Aber man wird sich mit Hilfe integrierter Produktionssteuerung und IFRA Track diesem Ziel viel stärker annähern können, wie wir das schon in unserem IFRA Special Report 01.2006 unter dem Titel „Vision eines integrierten, geregelten und intelligenten Zeitungsproduktionssystems“ herausgearbeitet haben.
IFRA: Ist IFRA Track als Alternative zu JDF zu sehen?
M. Werfel: Ja und Nein.
Ja, denn zurzeit erscheint JDF den Praktikern als noch nicht einsatzbereit für die Steuerung der Zeitungsproduktion. Deshalb hat sich ja die PRIME-Gruppe bewusst für IFRA Track entschieden. Es ist ein weinig so wie mit dem eingangs schon erwähnten Esperanto. Theoretisch sollte Esperanto die Standard-Sprache sein, in der Praxis hat Englisch die Rolle übernommen. Theoretisch sollte JDF alles können und theoretisch kann es auch alles. Aber praktisch leistet IFRA Track heute auf einfache und umkomplizierte Art und Weise das, was das allumfassende JDF künftig einmal leisten können soll. JDF ist eben ursprünglich nicht für die Zeitungsproduktion erfunden worden, sondern muss künftig erst dafür angepasst werden.
Man kann die Frage aber auch mit Nein beantworten, weil IFRA Track und JDF keine Gegensätze sind. Technisch ist IFRA Track sogar in CIP 4 integriert. Nur, in der Praxis reicht IFRA Track für die Zeitungsproduktionssteuerung vollkommen aus. Man muss nicht den ganzen Overhead von JDF mitschleppen, sondern kann mit leichterem Gepäck genauso weit kommen.
Page first published: 07.01.2009
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