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Axel Fischer (INGEDE) zur Deinking-Problematik im Digitaldruck

Manche Digital­druck­farben sind nicht deinkbar – ein echtes Problem für das Papierrecycling

Der Digitaldruck boomt. Gerade noch galt er als kostengünstige Alternative für geringe Auflagen, da machen sich verschiedene Hersteller daran, mit
immer kostengünstiger produzierenden Maschinen den Offsetdruck abzulösen. Für die Papier­industrie, die Altpapier zu neuen grafischen Papieren verarbeitet, ist die Entwicklung hin zu hohen Auflagen keine gute Nachricht: Zeitungen, die mit Inkjet gedruckt werden, sind ein ernstzunehmendes Problem für das Papierrecycling – die Farbe lässt sich beim Recycling des Altpapiers im Gegensatz zur herkömmlichen Offsetfarbe nicht entfernen. Die Farbstoffe reduzieren die Helligkeit des Papiers und lassen sich auch mit erhöhtem Chemikalien­aufwand nicht bleichen oder anderweitig aus dem Prozess ausschleusen. Gleiches gilt für bestimmte Flüssigtoner. Die Farbschicht löst sich in der Papierfabrik in Form hauchdünner, flexibler Fetzen von den Papierfasern, passiert alle Siebe und Sortier­einrichtungen und führt zu deutlich sichtbaren bunten Sprenkeln in recycelten grafischen Papieren – kein Zeitungsdrucker würde Material mit dieser Art von Schmutzpunkten kaufen wollen.

Hier sieht die INGEDE, eine Organisation der Altpapier verarbeitenden Papierfabriken in Europa, das Dilemma vor allem für die Zeitungs­drucker: Einerseits wollen die Unternehmen Kosten sparen und suchen dazu nach neuen Techniken wie dem Flexodruck oder dem Digitaldruck. Andererseits verlieren sie dabei völlig aus dem Auge, welche Konsequenzen ein derartiges Produkt für den gesamten Papierkreislauf hätte: Schon die heute in Italien und Großbritannien verbreiteten Flexozeitungen sind nicht deinkbar und stören massiv das Papierrecycling. Die Papierindustrie ist mittlerweile in Kooperations­projekten mit Forschungs­instituten auf der Suche nach auto­matisier­baren Verfahren, mit denen am Fließband beispielsweise per NIR-Sensor Flexozeitungen aussortiert werden könnten. Bisher bleibt nur, kein Material aus dem Verbreitungs­gebiet der jeweiligen Zeitungen anzukaufen – und den Altpapierhandel zur Lieferung flexofreier Ware zu verpflichten. Eine schlechtere Qualität des Altpapiers und erhöhter Aufwand beim Sortieren und Recyceln würde die Kosten für das heute zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellte Zeitungs­druck­papier in die Höhe treiben – und damit rasch die Ersparnisse durch das neue Druckverfahren auffressen. Außerdem beginnt sich politischer Druck zu regen – eine nicht recycelbare Zeitung ist in Zeiten verstärkter Anstrengungen für die Umwelt unerwünscht.

Ähnlich dürfte es den nicht recycelbaren Varianten des Digitaldrucks ergehen. Werbesendungen, Prospekte oder gar Zeitungen mit Inkjet oder Flüssigtoner gedruckt würden in höheren Auflagen zu so gravierenden Problemen beim Recycling führen, dass die Papierindustrie alles daran setzen wird, diese Produkte aus dem Papierkreislauf fern zu halten. Dies beginnt schon damit, die Verleger und Drucker über die möglichen Konsequenzen zu informieren und auf besser recycelbare Alternativen hinzuweisen. Trockentoner haben sich bei verschiedenen Untersuchungen in der Regel als deutlich überlegen in puncto Recycling­freundlichkeit und damit Umwelt­verträglich­keit herausgestellt. Im Rahmen eines „European Round Table Deinking of Digital Prints“ versuchen die in der INGEDE repräsentierten Vertreter der Papierindustrie derzeit, gemeinsam mit Forschungs­instituten und Maschinen­herstellern die verschiedenen Verfahren zu testen und recycling­freundliche Verbesserungen zu finden. Sollte dies nicht gelingen, wird sogar an eine Kennzeichnungs­pflicht für nicht recycelbare Druckprodukte gedacht. Nach dem Lesen in den Müll – beim Verbraucher dürfte eine derart gebrandmarkte Zeitung wenig Begeisterung hervorrufen.

Page first published: 21.12.2006

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