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Digitaldruck: Interview mit David Owen

zeitungstechnik: Welche Fortschritte hat der Digitaldruck von Zeitungen in den vergangenen fünf Jahren gemacht?

David Owen: Der Digitaldruck als Technik hat an sich in den letzten fünf Jahren keine großen Fortschritte gemacht, doch es gab Entwicklungen im Hinblick auf die Akzeptanz des Formates durch die Leser sowie hin­sicht­lich der Datei­über­mitt­lungs­technologie. Die Kosten und die Geschwindigkeit des Digitaldrucks haben sich in gewissem Umfang verbessert, doch noch nicht weit­reichend genug, als dass damit eine grundlegende Veränderung des Geschäfts­modells einherginge. Die Leser sind inzwischen bereit, Zeitungen auch in anderer Form zu lesen, was dazu führt, dass die Verlage nun ebenfalls eher bereit sind, die digitale Form als Ver­brei­tungs­kanal für ihre Inhalte zu akzeptieren. PDF-Dateien lassen sich nun schneller, einfacher und kostengünstiger als je zuvor übermitteln, was dazu führt, dass immer mehr Zeitungen Inhalte über eine breite Vielfalt von Partnern verbreiten.

zt: Bei welchen derzeitigen Geschäfts­modellen stellt der Digitaldruck die beste Wahl für Zeitungen dar?

D. Owen: Es gibt eine Reihe von Modellen, die sich für Zeitungen eignen. Das News­paper­Direct-Modell ist das gängigste: Hierbei werden uns die Inhalte übermittelt und wir drucken sie lokal auf unsere eigenen Kosten, wobei wir für jedes verkaufte Exemplar Tantiemen an den jeweiligen Verlag zahlen. Dies ist für die Verlage ein gutes Modell, weil es für sie mit keinerlei Kosten (und damit auch keinen Risiken) verbunden ist und es ihnen ermöglicht, Leser auf Reisen kostengünstig mit ihrer Zeitung zu versorgen. Der Nachteil daran ist, dass die Verlage weder die Volumina noch die End­verbraucher­preise bestimmen können und davon abhängig sind, dass NewspaperDirect in bestimmten Märkten präsent ist, um die Versorgung mit einzelnen Zeitungen zu ermöglichen. Mehr als 420 Zeitungen liefern inzwischen ihre Inhalte auf diese Weise, und die Gesamtzahl ist in den vergangenen 12 Monaten um 70 % gestiegen. Auch der Absatz ist weltweit auf über 400.000 Exemplare monatlich angewachsen, wobei die jährliche Zuwachs­rate pro Titel durch­schnittlich bei über 25% liegt.

Das zweite Modell ist der durch die Verlage bezahlte digitale Lohndruck (Océ, Kodak). Dies ermöglicht den Verlagen, Schlüsselmärkte festzulegen, wo sie ein gewisses Volumen benötigen (z.B. New York, Sydney etc.). Sie zahlen dann die Produktion, die Zustellung und auch die Maku­latur-Kosten. Das Problem dabei ist, dass die Produk­tions­kosten nach wie vor recht hoch sind (im Vergleich zu Offset) und dass das Erreichen inter­nationaler Leser eine schwierige und aufwendige Sache ist. Positiv anzumerken ist, dass die Inkjet-Techno­logie verhältnismäßig günstige Kosten selbst beim Farbdruck ermöglicht, und dass sich die Gesamtkosten (TCO = Total Cost of Ownership) noch weiter verringern könnten.

zt: Der Digitaldruck war für Zeitungen schon immer ein Nischenbereich. Glauben Sie, dass sich dies jemals grundlegend ändern wird?

D. Owen: Natürlich ist jedes Bemühen, Leser außerhalb des eigenen Ver­brei­tungs­gebietes zu erreichen, sozusagen eine Nischen­anwen­dung, wenn man die Absatzzahlen im Vergleich zum heimischen Markt betrachtet. Wie bereits erwähnt, ist die Akzeptanz neuer Ver­brei­tungs­kanäle bei den Verlagen nun höher, bedingt durch das Online-Publi­shing, aber auch durch die neuen Zeitungs­formate, die in vielen Märkten eingeführt wurden. Der Digitaldruck stellt eine weitere Möglichkeit dar, den Markt anzusprechen. Ich rechne nicht damit, dass digital gedruckte Zeitungen künftig einen beträchtlichen Teil der Printauflage ausmachen werden. Im Laufe der Zeit werden sich die wirklich interessanten Kanäle heraus­kristalli­sieren, die das Werbevolumen in die Höhe treiben könnten. Aus diesem Grund setzt NewspaperDirect auch darauf, den Verlagen eine Reihe von Lösungen für die Veröffentlichung in elektronischer Form zu bieten, sodass wir uns eine gute Aus­gangs­position schaffen, um die erfolgreichen Kanäle wirkungsvoll nutzen zu können.

zt: Was stellt das größte Hindernis für den Durchbruch des Digitaldrucks dar? Die Geschwin­dig­keit, die Kosten pro Exemplar, die Farb-/Format-Ein­schrän­kungen oder etwas anderes?

D. Owen: Kosten und Geschwindigkeit sind die entscheidenden Aspekte für rentable Druck­geschäfts­modelle, doch für den Digitaldruck bei hohen Geschwin­dig­keiten und niedrigen Kosten sind in der Regel hohe Investitionen nötig. Dies ist ein Bereich, wo Kompromisse gefunden werden müssen, und derzeit sieht der erfolg­ver­sprechendste Kompromiss so aus, dass man zugunsten einer schnelleren Verfügbarkeit Abstriche beim Format macht – und die Leser sind offenbar bereit, dies zu akzep­tieren.

zt: Ist der Druck von ziel­gruppen­spezi­fischen oder persona­lisier­ten Zeitungen etwas, was für die nahe Zukunft zu erwarten ist?

D. Owen: Der Digitaldruck ist für den Druck von per­so­na­lisier­ten Zeitungen in technischer Hinsicht sehr gut geeignet, doch da ich persönlich davon überzeugt bin, dass das Schöne am Lesen auch darin besteht, beim Durchblättern etwas Neues und Unerwartetes zu entdecken, bin ich kein großer Anhänger der Perso­na­li­sierung. Ich glaube auch, dass es wichtiger ist, das derzeitige Modell unter Ge­schwin­dig­keits- und Kostenaspekten zu optimieren – als neuen Feinheiten nachzujagen, die die Leser weder wollen noch brauchen.

zt: Könnten Sie sich ein Szenario vorstellen, bei dem Zeitungen den Digitaldruck besser und in größerem Umfang nutzen, als sie dies bisher tun?

D. Owen: Der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg im Druckgeschäft liegt vermutlich in der lokalen Anzei­gen­werbung, doch dafür ist ein höheres Volumen erforderlich, um größere Fortschritte zu erzielen. Wenn eine weltweit bekannte Zeitungsmarke lokale Werbung veröffentlicht, so hat dies vermutlich einen großen Effekt.

Eine britische Zeitung hat ihre weltweiten Beschrän­kungen in Bezug auf den Digitaldruck komplett auf­ge­hoben. Wenn sich dieser Trend durchsetzen würde, könnte das Gesamt­volumen für den digitalen Zeitungs­druck ganz massiv steigen.

Das Interview führte Dean Roper, Chefredakteur von Ifra Publications.

Page first published: 30.11.2006

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