Interview mit Sacha Wigdorovits, Gründer und Initiator von .ch
Sascha Wigdorovits
Delegierter des Verwaltungsrates
Media Punkt AG
Verlag der Gratiszeitung .ch
Zürich, Schweiz
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Am 19. September soll eine neue Gratis-Tageszeitung auf dem Markt der deutschsprachigen Schweiz erscheinen. Sascha Wigdorovits ist Gründer und Initiator des Projekts, für dessen Start er „von privaten Investoren aus der Schweiz und dem Ausland“ unterstützt wird. Im Verwaltungsrat sind u. a. Michael Grabner (früher Holtzbrinck) und Eugen Russ (Vorarlberger Zeitungsverlag) vertreten. Unter dem Namen .ch wird die Zeitung mit fünf regionalisierten Ausgaben in den Ballungsräumen Zürich, Bern, Basel, Luzern und St. Gallen erscheinen. Gedruckt wird dezentral in den Druckereien Vorarlberger Medienhaus (Schwarzach, A), Zehnder Druck (Wil, CH) und ztprint (Zofingen, CH); der Vetrieb (ein Großteil per Hauszustellung) wurde der Basler Firma Direct Mail Company DMC übertragen. In drei bis sechs Jahren, hofft S. Wigdorovits die Gewinnschwelle zu erreichen.
zeitungstechnik: Sie wollen am 19. September mit einer neuen Gratiszeitung auf den Schweizer Markt kommen. .ch (gesprochen: Punkt ch) wird sich gegenüber Mitbewerbern behaupten müssen, die den Markt schon länger bedienen. Welche Chancen rechnen Sie sich aus? Haben Sie eine Marktstudie durchgeführt?
Sacha Wigdorovits: Als Gratiszeitung gibt es für uns nur einen Mitbewerber, das ist 20 Minuten, und wir rechnen hier mit einer Koexistenz. Bis zu einem gewissen Grad sind natürlich auch die Kaufzeitungen als Mitbewerber zu sehen. Wir gehen davon aus, dass es – was den Lesermarkt betrifft – nicht einen reinen Verdrängungswettbewerb geben wird, sondern auch eine Ausweitung des Marktes. Im Anzeigengeschäft hingegen wird es sicher einen Verdrängungswettbewerb geben, der zuerst wahrscheinlich vor allem die Regionalzeitungen treffen wird.
Eine breit angelegte Marktstudie haben wir nicht durchgeführt, nur Befragungen im kleineren Gruppen unter Einbeziehung verschiedener Altersklassen; dabei ging es nur um die Namensfindung (wir hatten noch eine Alternative bezüglich des Namens) und um das Logo. 80% der Befragen haben sich für .ch ausgesprochen.
zt: Sie glauben also, dass es auf dem Schweizer Markt genügend Potenzial gibt, dass sich eine weitere (kostenlose) Zeitung etablieren kann?
S. Wigdorovits: Die Zeitung kann sich nur etablieren, wenn sie das Bedürfnis der Leser und der Werbeauftraggeber stillt. Wir sind der Meinung, dass wir mit dem Produkt und mit dem Vertriebssystem ein Maximum an Kundenfreundlichkeit bieten und dadurch ein entsprechendes Bedürfnis wecken werden. Im Mittelpunkt aber steht ganz klar das Produkt. Zusammen mit einer großen Auflage, zum Start werden es 430.000 Exemplare sein, schaffen wir so die Voraussetzung, dass .ch auch für die Auftraggeber eine interessante Werbeplattform ein wird.
zt: Welches redaktionelle Konzept liegt .ch zugrunde und welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
S. Wigdorovits: Es gibt eine klare Unterscheidung zu 20 Minuten und zum Blick in der Zielgruppe. Im Gegensatz zu diesen Boulevard-
zt: Beziehen Sie auch Material von Kooperationspartnern?
S. Wigdorovits: Unser Inhalt wird zu einem größren Teil als bei Gratis-
zt: Die Zeitung soll über unterschiedliche Regionalteile verfügen? Werden diese eingesteckt oder wie ist die Struktur?
S. Wigdorovits: Für jeden Ballungsraum um die Städte Zürich, Bern, Basel, Luzern und St. Gallen wird es eine regionale Splitausgabe geben. Das Produkt hat keine Sektionen oder sonstigen Beilagen, die eingesteckt werden, sondern ist geheftet oder geleimt. Das ist auch eine Maßnahme, um Beschwerden wegen Verschmutzung zu vermeiden (wenn Teile herausfallen). Wir können bis zu acht Seiten – der zu Beginn insgesamt 32 bis 36 Seiten – für regionalen redaktionellen Inhalt und lokale Anzeigen einsetzen.
zt: Ihr Vertriebskonzept sieht vor, einen Großteil der Auflage per Hauszustellung abzusetzen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Zustellung in die individuellen Briefkästen der Haushalte. Warum diese Lösung?
S. Wigdorovits: Wir hätten auch die Zustellung in die Briefkästen wählen können, aber da viele Leute am Morgen sehr in Eile sind, fanden wir es praktischer, wenn der Leser beim Verlassen des Hauses die Zeitung im Vorbeigehen einfach aus einem Ständer im Eingangsbereich mitnehmen kann. Die Verteilung muss vor 7 Uhr abgeschlossen sein, damit die Berufstätigen – unsere Hauptzielgruppe – die Zeitung mitnehmen können, ob sie nun mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren. Das íst auch ein Vorteil gegenüber 20 Minuten, dass wir auch die kaufkräftigen Schichten, die mit dem Auto ins Büro fahren, erreichen.
zt: Wie wird die neue Zeitung finanziert, die mit einer hohen Auflage und einer stattlichen Redaktionsmannschaft startet?
S. Wigdorovits: Es sind private, unternehmerisch denkende Investoren aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland, die helfen, dieses Produkt zu lancieren. Wir rechnen damit, dass wir den Break-
zt: .ch soll an drei Orten dezentral gedruckt und in fünf wichtigen Städten der deutschsprachigen Schweiz vertrieben werden. Ist geplant, dieses Netz später zu verdichten?
S. Wigdorovits: Wir decken von Anfang an alle Regionen der deutschen Schweiz ab, bis auf die Südost-
Sacha Wigdorovits ist Delegierter des Verwaltungsrates der Media Punkt AG, dem Verlag der neuen Gratiszeitung .ch (Zürich,CH). S. Wigdorovits ist Inhaber einer Kommunikations-
Page first published: 27.06.2007


