dpa schreibt trotz Umsatzrückgangs weiter schwarze Zahlen
Hamburg (dpa, 30. Juni 2005) - Die führende deutsche Nachrichtenagentur dpa hat im vergangenen Jahr trotz eines Umsatzeinbruchs weiter schwarze Zahlen geschrieben. Wie der Vorsitzende der dpa-Geschäftsführung, Walter Richtberg, am Donnerstag in Hamburg berichtete, ging der Umsatz auf 94 (Vorjahr: 102,8) Millionen Euro zurück. Dieses Minus habe durch Einsparungen von 8,3 Millionen Euro bei den Personal- und Betriebskosten aufgefangen werden können. Der Jahresüberschuss legte auf 1,58 (0,62) Millionen Euro zu.
Das Ergebnis sei allerdings kein Signal, die Hände in den Schoß zu legen, sagte Richtberg. In den kommenden Jahren stünden neben journalistischen Großereignissen wie der Fußball-WM und den Olympischen Winterspielen unter anderem erhebliche Investitionen in neue Technik an. Für 2005 liege die Agentur bisher im Plan. Er rechne weder bei der Mutter noch bei den Tochtergesellschaften mit roten Zahlen.
Als Grund für die stark rückläufigen Umsätze nannte Richtberg vor allem Preissenkungen bei Wortdiensten für Tageszeitungen und Kündigungen. Auch beim aktuellen Bilderdienst und im Auslandsgeschäft stand die Umsatzentwicklung unter eher negativen Vorzeichen. Gegen den Trend zulegen konnten dagegen die Foto-Report-Dienste sowie die Selektionsdienste.
Von den Einsparungen entfiel mehr als die Hälfte auf den Personalaufwand. Die Zahl der Mitarbeiter bei der Deutsche Presse- Agentur GmbH ging im Jahresschnitt um 6 Prozent zurück und lag zum Jahresende bei 791 (837). Der Stellenabbau habe dank einer vorausschauenden Personalpolitik sozial verträglich umgesetzt werden können, sagte Richtberg. «Auch die Mitarbeiter haben die Zeichen der Zeit erkannt und uns nicht mit Entsolidarisierung geantwortet.»
In Bereichen wie Verwaltung, Mieten und Technik hätten die Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich gelegen. Diese «überragenden Ergebnisse» seien trotz Sonderaufwendungen von fast einer Million Euro für die Olympischen Spiele in Athen und die Fußball-Europameisterschaft erreicht worden.
Entgegen der ursprünglich erwarteten roten Zahlen konnte das Betriebsergebnis der Muttergesellschaft um fast eine Million auf knapp 1,56 Millionen Euro verbessert werden. Gegenüber der Planung habe die Agentur um 5 Millionen Euro besser abgeschnitten, sagte Richtberg. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit legte auf 2,84 (1,84) Millionen Euro zu. Als durchweg erfreulich bezeichnete Richtberg die Entwicklung der Tochtergesellschaften, die erneut alle Gewinne erzielten und zusammen mehr als die Mutter verdienten. Die Agentur werde mit ihren Töchtern und Beteiligungen weiter expandieren. Die Strategie für die Zukunft sei, mit zusätzlichen Aktivitäten Deckungsbeiträge für das Kerngeschäft zu erwirtschaften. Als Beispiel nannte er unter anderem die Beteilung von 35 Prozent an der Schweizer Wirtschaftsagentur AWP in diesem Jahr.
Der Außenumsatz der dpa-Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf 113,4 Millionen Euro zurück. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl sank um 3 Prozent auf 1111. Zur dpa-Gruppe gehören zehn 100-prozentige Tochtergesellschaften und sechs Beteiligungen.
Nach zwei schwierigen Jahren stehe dpa inzwischen wieder auf festen Beinen, sagte Richtberg, der Ende des Jahres nach 21 Jahren in den «dpa-Ruhestand» geht. «Wir haben den Markt stabilisieren können, sind strategisch gut aufgestellt und wirtschaftlich solide unterwegs.» Damit seien für ihn schon seit einiger Zeit die Voraussetzungen dagewesen, den Aufsichtsrat um Verkürzung seines Vertrages um ein Jahr zu bitten. Ein Nachfolger solle demnächst vorgestellt werden.
Chefredakteur Wilm Herlyn betonte, die Redaktion habe die «einschneidensten Veränderungen» seit Gründung der dpa bewältigt, «ohne dass es zu einem spürbaren Qualitätsverlust in unseren Diensten gekommen ist». Mit Blick auf Großereignisse wie Olympia 2004, die verheerende Flutwelle in Südostasien oder Tod und Neuwahl des Papstes sagte er: «Keine andere Agentur ist in der Lage, so unterschiedliche und komplexe Themen in der gleichen Breite, Tiefe und Qualität wie dpa abzudecken.»
Das Ziel sei weiterhin eine wachsende Effizienz, sagte Herlyn. Dazu gehörten auch Überlegungen, nach einem «Newsdesk-Prinzip» zu arbeiten. Er rechne damit, dass noch in diesem Jahr klar sei, welche tragfähigen Modelle es gebe. Dann werde gemeinsam mit den dpa-Gremien entschieden, «welche Lösung für unsere Kunden und uns die richtige ist».
Als Beispiel für «Innovationswillen und -fähigkeit» der Agentur nannte Herlyn das von der Tochter dpa-infocom initiierte und mit Partnern unter ihrer Führung auf den Weg gebrachte Mobilfunkprojekt MINDS (Mobile Information and News Data Services). Mit Hilfe einer Mobilfunk-Plattform könnten Zeitungen ihre Inhalte über das Handy als meistgenutztes Kommunikationsmittel an ihre Leser geben.
Nach Aussage von dpa-Geschäftsführer Michael Segbers ergab eine Kundenumfrage im Frühjahr, dass 99 Prozent der Chefredakteure eine starke deutsche Nachrichtenagentur mit Komplettangebot wünschen. 88 Prozent meinten zudem, dpa leiste einen wesentlichen Beitrag zum Qualitätsstandard der deutschen Medien. Auch die Bewertung des Kostenbewusstseins der Agentur habe sich ins positive verkehrt. Die hohe Zahl der langfristigen Vertragsabschlüsse belege, dass die Kunden bereit seien, der Agentur auf dem 2004 mit einem neuen Preismodell eingeschlagenen Weg zu folgen. Die Gesamtbewertung der Agentur habe sich bei der zweiten Umfrage dieser Art klar verbessert.
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(Original-Pressemitteilung von dpa)


