Zeitungsformate in aller Welt – aktuelle Trends
Global betrachtet unterliegen die Zeitungsformate keinerlei Einschränkungen. Vom klassischen Nordischen Format in Deutschland (z.B. Frankfurter Allgemeine Zeitung) über die langen, schmalen „Handtuchformate“ (mit der Tendenz noch schlanker zu werden: z.B. Bismarck Times) in den USA bis zu den Mini-
Deutschland
Man kann es positiv formulieren und sagen, dass Deutschland ein sehr vielfältiges Angebot an Zeitungsformaten vorhält, das der Individualität der einzelnen Zeitungstitel und den Präferenzen der Leser Rechnung trägt. Man könnte aber auch von einer inhomogenen Mischung und Wildwuchs sprechen, insbesondere wenn man bedenkt, dass eine Formatnorm mit drei Standardgrößen – Nordisches Format, Rheinisches Format und Berliner Format – existiert, es aber wohl mehr Abweichungen als Regelfälle gibt. (Die genannte DIN/ISO-
Nach England, Skandinavien und einer Reihe anderer Länder hat nun auch die erste deutsche überregionale Tageszeitung auf Tabloid umgestellt (Frankfurter Rundschau). Man darf gespannt sein, ob bzw. wie lange dies die einzige Tabloidzeitung bleiben wird.
Italien
Interview mit Luca Michelli, ASIG-
zeitungstechnik: Wie ist die Situation bei den Zeitungsformaten in Italien? Gibt es auch in Italien eine „Formatrevolution“ wie in anderen Ländern, wo auf kleinere Formate umgestellt wird?
Luca Michelli: Kleiner ist feiner. Fast alle führenden Zeitungen Italiens, mit sehr wenigen Ausnahmen, haben in den vergangenen Jahren ihr Format verkleinert, doch es hat sich kein Formatstandard etabliert, da sich die Marktführer bei der Verkleinerung für unterschiedliche Formate entschieden haben.
zt: Wie wichtig ist in Italien das Format für die Identität einer Zeitung?
L. Michelli: Um auf meine erste Antwort zurückzukommen, so wird in Italien das Format offensichtlich als sehr wichtiger Aspekt der Identität betrachtet, da die verkleinerten Zeitungen alle ein unterschiedliches Format besitzen.
zt: Was halten Sie von Formatstandardisierung?
L. Michelli: Die italienischen Zeitungen möchten ihre Formate lieber nach ihrem eigenen Gusto festlegen, statt sich auf ein gemeinsames Standardformat zu einigen.
Schweden
Kurzbeschreibung der Formatsituation in Schweden von Fachjournalist Paul Lindström
In Schweden gibt es rund 140 Morgenzeitungen, von einigen wenigen mit landesweiter Verbreitung bis hin zu einer Vielzahl von Titeln mit rein regionalem Einzugsgebiet. Rund 80 Prozent der Morgenzeitungen erscheinen im Tabloidformat, rund 10 Prozent im Berliner oder einem ähnlichen Format und weniger als 10 Prozent im Broad
Australien und Neuseeland
Interview mit Michael Richards, CEO der Pacific Area Newspaper Publishers' Association Inc. (PANPA), Australien
zeitungstechnik: Wie sieht die Situation bei Zeitungsformaten in Australien aus? Ist hier ebenfalls ein Trend hin zu Kompaktformaten festzustellen?
Michael Richards: Die meisten Zeitungen in Australien erscheinen im Tabloidformat. Es gibt noch fünf Broadsheet-
Die Veränderungen, die derzeit im Gange sind, betreffen die Verringerung der Seitenbreite bei vier Broadsheet-
In Neuseeland hingegen erscheinen fast alle Tageszeitungen in einem breiten Broadsheet-
In den kommenden Jahren wird mit Formatänderungen in Neuseeland zu rechnen sein, da es zu Modernisierungen und Erneuerungen des Maschinenparks kommen wird. Vermutlich wird man auf schmalere Broadsheets wie in Australien umstellen oder möglicherweise dort das Berliner Format einführen, wo die Errichtung neuer Druckereien auf der grünen Wiese möglich ist.
zt: Wie wichtig ist das Format für die Identität einer Zeitung?
M. Richards: Nach Angaben unserer Mitglieder ist das Format außerordentlich wichtig für die Identität. Wie The Sydney Morning Herald berichtete, zeigten Umfragen, dass die meisten Leser sich nicht mit der Idee anfreunden könnten, dass ihre Zeitung auf ein Tabloidformat umstellen würde, weil vielen Zeitungen dieser Größe nach wie vor ein schlechter Ruf anhaftet. Umgekehrt sind die auflagenstärksten Boulevardzeitungen in Australien Tabloids und ihre peppige Produktidentität ließe sich kaum auf Broadsheet übertragen. Die Umstellung der Regionalzeitungen auf Tabloid war erfolgreich, auch wenn die erste Zeitung, die in den 90er Jahren diesen Schritt unternahm, The Advertiser, einen Rückgang der Leserschaft hinnehmen musste, weil ein kleiner Teil der Leser den Eindruck hatte, die Zeitung sei bei ihrer Umstellung auf das Kompakt
zt: Was halten Sie von Formatstandardisierung?
M. Richards: Standardisierung ist für den jeweiligen Anzeigenmarkt wichtig. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass dies marktübergreifend relevant ist. Die australischen Tabloid-
Argentinien
Kurzbeschreibung der Formatsituation in Argentinien von Rafael Mathus, einem Journalisten, der für die Online-
Die meisten Zeitungen in Argentinien sind Tabloids. Hier in Buenos Aires ist La Nación die einzige Broadsheet-
In anderen großen Städten wie Córdoba oder Mendoza, findet man noch einige Zeitungen, die im Broadsheet-
Was die Situation bei den Gratiszeitungen betrifft, so sind im vergangenen Jahr in Mendoza zwei neue Gratistitel auf den Markt gekommen, beide Tabloids. Hier in Buenos Aires erscheinen alle Gratiszeitungen im Tabloid-
Indien
Kommentare von Magdoom Mohamed und Sashi Nair von Ifra India
Broadsheet ist in Indien weit verbreitet. Tabloids gelten als nicht-
In Bombay konnten sich die beiden Tabloidzeitungen Mid-
Auf jedem Fall haben seriöse Leser bisher noch nicht wirklich Gefallen an Tabloidzeitungen gefunden.
In diesem Zusammenhang sollten die vielen Nachbarschaftszeitungen erwähnt werden, die es bei uns in Indien gibt. In Madras (Chennai) gibt es mehrere davon. Fast alle erscheinen als Tabloid-
Die Werbetreibenden sind an einem Medium interessiert, das ihnen Reichweite bietet. Ich glaube, das Format der Anzeige ist ihnen hier nicht so wichtig.


