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Zeitungsformate in aller Welt – aktuelle Trends


Global betrachtet unterliegen die Zeitungsformate keinerlei Einschränkungen. Vom klassischen Nordischen Format in Deutschland (z.B. Frankfurter Allgemeine Zeitung) über die langen, schmalen „Handtuchformate“ (mit der Tendenz noch schlanker zu werden: z.B. Bismarck Times) in den USA bis zu den Mini-Tabloids (halbes Berliner Format) in Österreich reicht das Spektrum der Zeitungsgrößen. Die folgende Zusammenfassung – die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – soll einen kleinen Überblick über die weltweit gebräuchlichen Zeitungsformate und die länderspezifischen Besonderheiten bieten.


Deutschland


Man kann es positiv formulieren und sagen, dass Deutschland ein sehr vielfältiges Angebot an Zeitungsformaten vorhält, das der Individualität der einzelnen Zeitungstitel und den Präferenzen der Leser Rechnung trägt. Man könnte aber auch von einer inhomogenen Mischung und Wildwuchs sprechen, insbesondere wenn man bedenkt, dass eine Formatnorm mit drei Standardgrößen – Nordisches Format, Rheinisches Format und Berliner Format – existiert, es aber wohl mehr Abweichungen als Regelfälle gibt. (Die genannte DIN/ISO-Norm 16604 stammt aus dem Jahre 1973; ein aktua­li­sierter Normentwurf liegt dem DIN-Ausschuss zur Prüfung vor.)

Nach England, Skandinavien und einer Reihe anderer Länder hat nun auch die erste deutsche überregionale Tageszeitung auf Tabloid umgestellt (Frankfurter Rundschau). Man darf gespannt sein, ob bzw. wie lange dies die einzige Tabloidzeitung bleiben wird.


Italien


Interview mit Luca Michelli, ASIG-Geschäftsführer und Ifra-Repräsentant in Italien


zeitungstechnik: Wie ist die Situation bei den Zeitungsformaten in Italien? Gibt es auch in Italien eine „Formatrevolution“ wie in anderen Ländern, wo auf kleinere Formate umgestellt wird?

Luca Michelli: Kleiner ist feiner. Fast alle führenden Zeitungen Italiens, mit sehr wenigen Ausnahmen, haben in den vergangenen Jahren ihr Format verkleinert, doch es hat sich kein Formatstandard etabliert, da sich die Marktführer bei der Verkleinerung für unterschiedliche Formate entschieden haben.

zt: Wie wichtig ist in Italien das Format für die Identität einer Zeitung?

L. Michelli: Um auf meine erste Antwort zurückzukommen, so wird in Italien das Format offensichtlich als sehr wichtiger Aspekt der Identität betrachtet, da die verkleinerten Zeitungen alle ein unterschiedliches Format besitzen.

zt: Was halten Sie von Formatstandardisierung?

L. Michelli: Die italienischen Zeitungen möchten ihre Formate lieber nach ihrem eigenen Gusto festlegen, statt sich auf ein gemeinsames Standardformat zu einigen.


Schweden

Kurzbeschreibung der Formatsituation in Schweden von Fachjournalist Paul Lindström

In Schweden gibt es rund 140 Morgenzeitungen, von einigen wenigen mit landesweiter Verbreitung bis hin zu einer Vielzahl von Titeln mit rein regionalem Einzugsgebiet. Rund 80 Prozent der Morgenzeitungen erscheinen im Tabloidformat, rund 10 Prozent im Berliner oder einem ähnlichen Format und weniger als 10 Prozent im Broad­sheet­format. Alle führenden Zeitungen wie Svenska Dagbladet, Dagens Nyheter, Göteborgs-Posten und Sydsvenska Dagbladet haben in den letzten fünf bis sechs Jahren von Broadsheet auf Tabloid umgestellt. Dies scheint auch der Hauptgrund dafür zu sein, dass die meisten Regionalzeitungen nachgezogen haben.


Australien und Neuseeland


Interview mit Michael Richards, CEO der Pacific Area Newspaper Publishers' Association Inc. (PANPA), Australien


zeitungstechnik: Wie sieht die Situation bei Zeitungsformaten in Australien aus? Ist hier ebenfalls ein Trend hin zu Kompaktformaten festzustellen?

Michael Richards: Die meisten Zeitungen in Australien erscheinen im Tabloidformat. Es gibt noch fünf Broadsheet-Zeitungen, die eine Breite von 1620 mm haben, von der das Standard-Tabloidformat abgeleitet ist. Es gab noch vier weitere Broadsheet-Zeitungen, die jedoch auf Tabloid umgestellt haben. Die Zeitungen The Advertiser (in Adelaide), The Newcastle Herald, und The Townsville Bulletin nahmen die Umstellung zwischen 1998 und 2003 vor. Die vierte Zeitung, The Courier-Mail, die zu Rupert Murdochs News Ltd gehört, ging im März 2006 – nach der erfolgreichen Umstellung der ebenfalls zu News Ltd gehörenden Times in London – auf das Tabloidformat über.

Die Veränderungen, die derzeit im Gange sind, betreffen die Verringerung der Seitenbreite bei vier Broadsheet-Titeln: The Sydney Morning Herald, The Age, The Sunday Age und The Canberra Times, die zu Fairfax Media gehören. Sie haben ihr endgültiges Format zwar noch nicht bekannt gegeben, doch es dürfte dem derzeitigen Format der New York Times entsprechen (nicht dem, auf das die NYT in Kürze umstellen wird). Dies wird eine deutliche Verkleinerung für den australischen Markt bedeuten, wo Broadsheet-Zeitungen bisher zu den formatgrößten der Welt zählen. Die Umstellung soll laut Fairfax Media Mitte 2008 erfolgen.

In Neuseeland hingegen erscheinen fast alle Tageszeitungen in einem breiten Broadsheet-Format. Es gibt nur eine Zeitung im Tabloid-Format. Genauer gesagt handelt es sich um ein Tabloid-Hybrid-Produkt, The Gisborne Herald, das über einen horizontalen Falz verfügt. Es gibt eine überregionale Sonntagszeitung und eine regionale Sonntagszeitung im Tabloid-Format, die andere überregionale Zeitung ist ein Broadsheet-Titel.

In den kommenden Jahren wird mit Formatänderungen in Neuseeland zu rechnen sein, da es zu Modernisierungen und Erneuerungen des Maschinenparks kommen wird. Vermutlich wird man auf schmalere Broadsheets wie in Australien umstellen oder möglicherweise dort das Berliner Format einführen, wo die Errichtung neuer Druckereien auf der grünen Wiese möglich ist.

zt: Wie wichtig ist das Format für die Identität einer Zeitung?

M. Richards: Nach Angaben unserer Mitglieder ist das Format außerordentlich wichtig für die Identität. Wie The Sydney Morning Herald berichtete, zeigten Umfragen, dass die meisten Leser sich nicht mit der Idee anfreunden könnten, dass ihre Zeitung auf ein Tabloidformat umstellen würde, weil vielen Zeitungen dieser Größe nach wie vor ein schlechter Ruf anhaftet. Umgekehrt sind die auflagenstärksten Boulevardzeitungen in Australien Tabloids und ihre peppige Produktidentität ließe sich kaum auf Broadsheet übertragen. Die Umstellung der Regionalzeitungen auf Tabloid war erfolgreich, auch wenn die erste Zeitung, die in den 90er Jahren diesen Schritt unternahm, The Advertiser, einen Rückgang der Leserschaft hinnehmen musste, weil ein kleiner Teil der Leser den Eindruck hatte, die Zeitung sei bei ihrer Umstellung auf das Kompakt­format qualitativ schlechter (weniger anspruchsvoll) geworden.

zt: Was halten Sie von Formatstandardisierung?

M. Richards: Standardisierung ist für den jeweiligen Anzeigenmarkt wichtig. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass dies marktübergreifend relevant ist. Die australischen Tabloid- und Broadsheet-Zeitungen weisen bisher ein Standardformat auf.


Argentinien


Kurzbeschreibung der Formatsituation in Argentinien von Rafael Mathus, einem Journalisten, der für die Online-Sparte der Zeitung La Nación tätig ist.


Die meisten Zeitungen in Argentinien sind Tabloids. Hier in Buenos Aires ist La Nación die einzige Broadsheet-Zeitung. Clarín, Página 12, Perfil, Óle (Sportzeitung), La Razón, La Prensa, Crónica und Diario Popular (die übrigen Zeitungen, die in Buenos Aires gedruckt werden) erscheinen alle im Tabloid-Format. Auch die beiden führenden Wirtschaftszeitungen Ambito Financiero und El Cronista sind Tabloid-Produkte.

In anderen großen Städten wie Córdoba oder Mendoza, findet man noch einige Zeitungen, die im Broadsheet-Format erscheinen: Los Andes (Mendoza) und La Voz del Interior (Córdoba).

Was die Situation bei den Gratiszeitungen betrifft, so sind im vergangenen Jahr in Mendoza zwei neue Gratistitel auf den Markt gekommen, beide Tabloids. Hier in Buenos Aires erscheinen alle Gratiszeitungen im Tabloid-Format.


Indien


Kommentare von Magdoom Mohamed und Sashi Nair von Ifra India


Broadsheet ist in Indien weit verbreitet. Tabloids gelten als nicht-seriöse Zeitungen, was vielleicht nur eine Einstellungssache der Leser ist. In Indien gibt es keine führende seriöse Tageszeitung im Tabloid-Format. Hingegen ist sogar im Gespräch, dass die Zeitungsgruppe India Today plant, ihre Tabloid-Abendzeitung auf eine Broadsheet-Morgenzeitung umzustellen. In den letzten Jahren haben viele Zeitungen eine Ver­änderung ihres Formates (Bahnbreite) vorgenommen, doch der Trend hin zu Tabloid scheint in Indien langsam auch an Fahrt zu gewinnen.

In Bombay konnten sich die beiden Tabloidzeitungen Mid-Day und Afternoon Courier & Despatch in den 80er bzw. 90er Jahren etablieren. Es handelt sich hierbei um normale Zeitungen, die auf gute Resonanz stoßen. Inzwischen bietet auch die Times of India den Lesern eine 40-seitige Tabloidzeitung unter dem Titel Mumbai Mirror, die ebenfalls recht gut angenommen wird.

Auf jedem Fall haben seriöse Leser bisher noch nicht wirklich Gefallen an Tabloidzeitungen gefunden.

In diesem Zusammenhang sollten die vielen Nachbarschaftszeitungen erwähnt werden, die es bei uns in Indien gibt. In Madras (Chennai) gibt es mehrere davon. Fast alle erscheinen als Tabloid-Wochenzeitungen. Es handelt sich um Gratiszeitungen, die in der Regel direkt an die Einwohner des Stadtviertels zugestellt werden. Einige von ihnen wie Mylapore Times (Mylapore ist eines der ältesten Stadtviertel) und Adyar Times sind außerordentlich erfolgreich und sind für etablierte Zeitungen wie The Hindu echte Konkurrenten auf dem Anzeigenmarkt. Die Nachbarschaftszeitungen sind bereits seit über zehn Jahren auf dem Markt und haben sich inzwischen einen guten Ruf erarbeitet. Viele Werbekunden, sogar von bekannten Marken, sind zu den Nachbarschaftzeitungen abgewandert, weil sie sie als ausgezeichnetes und kostengünstiges Werbemedium schätzen.

Die Werbetreibenden sind an einem Medium interessiert, das ihnen Reichweite bietet. Ich glaube, das Format der Anzeige ist ihnen hier nicht so wichtig.

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