Interview mit Mike Mannheimer, Cox Enterprises
Mike Mannheimer
Vice President Supply Chain Services
& Chief Procurement Officer
Cox Conserves, USA
Cox Enterprises, einer der führenden US-Medienkonzerne (zu dem auch Cox Newspapers, Inc. gehört) und Anbieter im Bereich Automobil-Auktionen und Kfz-Publikationen bzw. -Websites, engagiert sich in verschiedenen Bereichen für den Umweltschutz. Ein Aspekt ist das von Mike Mannheimer, Vicepresident und Leiter für Einkauf und Beschaffung, geleitete Programm Cox Conserves. Ziel dieses Programms ist es, im Gesamtunternehmen die jährlichen Emissionen an Treibhausgasen (den sog. Carbon Footprint) über die nächsten 10 Jahre um 20% zu verringern.
Seit dem Jahr 2000 haben die Energie- und Fahrzeug-Management-Abteilungen von Cox Energie
Cox Enterprises verbuchte 2006 einen Umsatz von rund 13 Milliarden US-Dollar und beschäftigt mehr als 80.000 Mitarbeiter. Zu den wichtigsten Unternehmensbereichen zählen: Cox Communications, Inc. (u.a. Kabelfernsehen, Telefon, Hochgeschwindigkeits-Internetzugang, Breit
IFRA: Das Programm Cox Conserves wurde im vergangenen Jahr angekündigt, doch Umweltschutz ist im Cox-Konzern schon länger verankert. Wo liegen die Anfänge?
Mike Mannheimer: Bereits 1993 begannen wir mit der Einführung von Maßnahmen, um in unseren verschiedenen Bereichen Energie einzusparen. Das betraf die Einsparung elektrischer Energie (bei Beleuchtung, Heizung, Klimatisierung, Wahl der Produktionsanlagen, Energierückgewinnung etc.) Motivation damals war hauptsächlich die Kosten
Um uns Ziele setzen zu können, ermittelten wir unseren Carbon Footprint, allerdings nur grob (z.B. wurden Dinge wie Flugreisen, der Weg unserer Mitarbeiter zur Arbeit etc. nicht berücksichtigt). Es wäre zu schwierig und zu kostenaufwendig gewesen, eine wirklich umfassende Footprint-Analyse durchzuführen. Wir ermittelten dann, wie viel Strom, wieviel Erdgas und Kraftstoff (für unsere Fahrzeugflotte) wir bei unseren Aktivitäten verbrauchen. Wir verglichen unseren Energieverbrauch mit den Werten für das Jahr 2000, um die Wirkung unserer verschiedenen Energie
IFRA: Zusätzlich zur Einsparung an Treibhausgasen von 10 Prozent pro Jahr hat sich Cox Conserves zum Ziel gesetzt, seinen Carbon Footprint in den nächsten 10 Jahren um weitere 20 Prozent zu verringern. Heißt das, dass Sie drastischere Maßnahmen einführen werden, oder geht es hier noch darum, unnütz verbrauchte Ressourcen einzusparen?
M. Mannheimer: Ich würde hier nicht von drastisch sprechen, doch es wird sicherlich mit höherem Kostenaufwand verbunden sein. Mit unserem vor 10 Jahren begonnenen Energiesparprogramm haben wir bereits mehrere Millionen Dollar eingespart. Die Rentabilität dieser früheren Projekte war höher als unsere künftigen Erwartungen, denn die vor uns liegenden Aufgaben werden kostenaufwendiger und um einiges schwieriger sein. Wir gehen davon aus, dass einige der bereits eingeleiteten Energiesparmaßnahmen in den Bereichen Gebäudetechnik und Fahrzeugpark weitere 10 % Einsparung bringen könnten. Diese ‚niedrig hängenden Früchte’ bergen also schon noch Potenzial. Danach heißt es aber, sich weiter strecken zu müssen. Da machen sich dann die Vorteile bemerkbar, die ein Unternehmen in Privatbesitz bietet, denn einige Investitionen erfordern eine langfristige Perspektive.
IFRA: Können Sie das näher erläutern?
M. Mannheimer: Das Ziel der 20 % zusätzlichen Einsparungen wird sich nicht erreichen lassen, wenn wir nicht auch auf umweltfreundliche Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie zurückgreifen. Wir haben zwei unserer Standorte in Kalifornien und New Jersey bereits mit Solaranlagen ausgestattet und halten Ausschau nach Standorten für Windkraftanlagen. Wir planen sogar den Bau eines Windparks, mit dem wir rund 10 Prozent des Energiebedarfs unseres gesamten Unternehmens decken könnten. Die Rentabilitätsberechnungen, die wir für den Windpark angestellt haben, sind recht ansprechend. Nun geht es darum, den richtigen Standort zu finden – und das Budget für dieses Projekt (50 bis 60 Mio. US-$) genehmigt zu bekommen
Es spricht für sich, dass mein Energiemanagement-Team von einem Mitarbeiter Anfang der 90er Jahre auf ein ganzes Team von 19 Mitarbeitern angewachsen ist... Das allein beweist schon das Engagement des Unter
IFRA: Energie-Management ist ein Teil des Programms Cox Conserves, doch interessant sind auch die Maßnahmen in anderen Bereichen, zum Beispiel im Hinblick auf Ihre Fahrzeugflotte und die bei Ihnen umgesetzten Standards für neue Gebäude...
M. Mannheimer: Wir glauben, dass es noch immer teurer ist, „umweltfreundlich“ zu bauen, doch in unserem Cox-Conserves-Budget ist Geld vorgesehen für eine „umweltfreundlichere Gestaltung“ unserer Gebäude. Alle unsere neuen Gebäude entsprechen einem neuen, von uns entwickelten Cox-Standard. Unsere Standards sind eine Kombination aus LEED [Anm. d. Red.: Abkürzung von Leadership in Energy and Environmental Design, einem Bewertungsverfahren für nachhaltiges Bauen] und ENERGY STAR [Anm. d. Red.: ENERGY STAR wurde 1992 von der US-Umweltschutzbehörde als freiwillige, markt-basierte Partnerschaft mit dem Ziel initiiert, die Treibhausgas-Emissionen durch Energie-Effizienz zu reduzieren]. Wir setzen die LEED-Standards nicht vollständig um, erreichen aber eindeutig die von ENERGY STAR. Eines unsere jüngsten Gebäude, ein Fernsehsender in Pittsburgh, Pennsylvania, wird sich in diesem Jahr um die LEED-Zertifizierung bemühen.
Rund 98 Prozent unserer Flotte von über 15.000 Fahrzeugen ist als schadstoffarm oder besser eingestuft. Cox verfügt auch über 100 Hybridfahrzeuge sowie 300 Fahrzeuge, die mit E85 (Bioethanol-Gemisch), und 2500, die mit Bio-Diesel fahren können. Es kommen nun einige neue Fahrzeuge auf den Markt, in deren Entwicklung wir zum Teil eingebunden waren. Kürzlich haben wir neun Hybrid-LKWs mit Hebekorb und zwei Lieferwagen gekauft, die mit normalem Benzin fahren, aber auf Hybrid umgerüstet werden können. Es handelt sich noch um Prototypen, die vergleichsweise teuer sind, sodass wir nicht alle unsere Fahrzeuge austauschen konnten.
Ein weiteres Beispiel ist unser Dreijahresprogramm, das den Austausch aller Manager-Firmenwagen durch benzinsparende Modelle vorsieht. Wir haben überdies ein Programm, um unsere Mitarbeiter anzuregen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder möglichst Telearbeit zu machen. Ich persönlich glaube, dass das ein sehr interessanter Bereich ist, wenn man den Kostenaufwand vergleicht mit den Einsparungsmöglichkeiten für das Unternehmen. Wir betreiben in unserer Communications-Sparte große Call-Center, die so arbeiten könnten. Einige haben bereits damit begonnen.
IFRA: Gibt es Maßnahmen, die speziell von den Cox-Zeitungen umgesetzt werden können?
M. Mannheimer: Zeitungen sind große Energie
IFRA: Wie stellt sich die Umwelt-Gesetzgebung in den USA dar?
M. Mannheimer: Ich möchte hier nicht zu sehr auf politische Fragen eingehen, doch viele sind der Ansicht, dass die neue Regierung, seien nun die Demokraten oder die Republikaner an der Macht, im Energiesektor viel tun wird. Das kommende Jahr wird vermutlich ein Jahr großer Veränderungen in dieser Hinsicht sein. Bisher haben einige Staaten bereits finanzielle Anreize hierfür geschaffen. Kalifornien spielt hier eine maßgebliche Rolle und New Jersey war der erste Bundesstaat, der hier aktiv wurde. Für uns ist es besser, umweltfreundlich zu arbeiten und Geld zu verdienen, als umweltfreundlich zu sein und weniger Geld zu verdienen. Die Kapitalrendite ist hier durchaus ein Aspekt, weshalb wir uns bei der Installation von Solaranlagen zunächst auf diese beiden Bundesstaaten konzentriert haben.
IFRA: Wie vermitteln Sie bei einem Unternehmen mit 80.000 Mitarbeiter Ihre Maßnahmen?
M. Mannheimer: Wir wollen Umweltschutz nicht allein praktizieren. Wir glauben, dass wir auf andere Unternehmen, Familien, Kunden hinwirken und sie zu umweltfreundlicherem Verhalten anregen können. Wir beziehen die Menschen in den Communitys mit ein, wo wir tätig sind, und transportieren unsere Projekte auch offensiv nach außen. Wir haben entsprechende Websites und wir haben das Umweltgremium Cox Environment Council eingerichtet, dem 30 Führungskräfte aus all unseren Sparten und Unternehmensbereichen angehören. Sie liefern uns Feedback zu unsere Ideen und steuern auch eigene Ideen bei. Außerdem haben wir 275 Cox-Conserves-„Botschafter“ in unseren Betrieben vor Ort gewonnen, die als Multiplikatoren dazu beitragen, dass die Prozesse und Ideen vor Ort besser umgesetzt werden, und die ihre Erfahrungen an uns zurückmelden.
Das Interview führte Deputy Editor Valérie Arnould.
Page first published: 19.02.2008


