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MAN Roland zur Ökologie im Druckhaus


Zu den Fragen äußern sich Anton Hamm, Leiter Geschäftsfeld Zeitung, MAN Roland, und Thomas Schonbucher, Leiter Geschäftsbereich printadvice.

IFRA: Das Thema Umweltschutz gewinnt auch in der Zeitungsproduktion immer mehr an Bedeutung. Was kann ein Druckmaschinenhersteller für seine Zeitungskunden tun, um sie bei ihrem Bestreben umweltfreundlich zu produzieren zu unterstützen?

Anton Hamm: Produzieren impliziert bereits den Prozess des Druckens. Die Frage nach der „umweltfreundlichen Produktion“ lässt sich demnach nicht so einfach beantworten. Denn, eine umweltfreundliche Produktion wird heute von Parametern und Maßnahmen bestimmt, die bereits vor dem eigentlichen Druckprozess wirksam werden. Die wohl effektivsten und umweltfreundlichsten Maßnahmen sind diejenigen, die Umweltschäden bzw. -belastungen schon weit im Vorfeld verhindern bzw. massiv reduzieren.

Ressourcen schonen durch weniger Energie- und Materialeinsatz ist eine immer wichtigere Herausforderung, der sich MAN Roland mit neuen technischen Lösungen stellt. Beim Thema Umwelt rund um die Druckmaschine ist die Energierückgewinnung und Energieeffizienz von immer größerer Bedeutung. Abwärmenutzung von Trocknern oder Kühlsystemen ist heute schon möglich und wird sich in der Zukunft immer mehr durchsetzen. In den letzten zehn Jahren konnte der Energieverbrauch durch neue Technologie stark gesenkt werden

Intelligente Antriebskonzepte

Die Einführung des Direktantriebs an Illustrations- und Zeitungsmaschinen eliminierte mechanische Reibungsverluste durch Getriebe und Lager und ergab eine Reduzierung der einzuspeisenden Leistung von 5 %. Heute sind an den Hauptantrieben der Druckwerke und am Falzwerk wassergekühlte Motoren Standard. Das ist eine gute Voraussetzung für die Zurückgewinnung von Energie für Heizsysteme. Ein innovatives Schaltanlagenkonzept ermöglicht weniger Aufwand für die Klimatisierung des Drucksaals durch Minimierung der Schaltelektronik und effektive Wasserkühlung. Bei den 9-Zylinder-Satelliten-Zeitungsmaschinen kommen standardmäßig pro H-Druckeinheit nur vier anstatt fünf möglicher Motoren zum Einsatz.

Der Satellit wird über eine Kupplung von einem Druckwerksmotor mit angetrieben. Dies hat zur Folge, dass sich normalerweise alle vier Motoren im treibenden Betrieb befinden. Bei fünf Motoren muss in den meisten Fällen der Satellitenmotor aufgrund der Abrollverhältnisse bremsend arbeiten. Ein bremsender Motor erzeugt aber Wärme, die abzuführen ist und vorher als Leistung zugeführt werden musste. So hilft dieses Antriebskonzept, Energie zu sparen.

Weniger Reibung: IROLOC-Walzenschlösser

Ein weiterer Punkt ist, den Energieeinsatz im Druckwerk zu reduzieren. Reibung kostet hier Energie und unnötige Reibungsverluste bedeuten Energieverschwendung. Immer gleichmäßige Abdruckbreiten der Druckwalzen leisten einen wichtigen Beitrag zur Energieeinsparung und wirken sich positiv auf die gleichmäßige Übertragung
von Farbe und Feuchtmittel auf die Druckplatte aus. Die automatische Abdruckbreitenregelung mit IROLOC-Walzenschlösser basiert auf einer bewährten mechanischen Lösung. Häufiges Nachstellen und der Bedarf an Wartung entfallen fast vollständig. Einmal einzustellende Federsysteme bieten an dieser Stelle die geforderte
hohe Zuverlässigkeit und Robustheit. Die Abdruckbreite bleibt auch unter den dynamischen Betriebsbedingungen wie Wärmedehnung und Medieneinflüsse konstant. Dazu verlängert IROLOC die Lebensdauer der Walzen um bis zu 20 Prozent.

Weniger Makulatur: QuickStart

Innovative vollautomatische Anfahrabläufe sorgen an Zeitungs- und Illustrationsmaschinen für ein Minimum an Makulatur und damit den möglichst effektiven Einsatz von Bedruckstoffen.

QuickStart in der Rolle: Mit dem patentierten System zum Voreinfärben QuickStart sind auch bei geringen Flächendeckungen nach wenigen Zylinderumdrehungen bereits verkaufsfähige Exemplare zu erzielen. Selbst bei extremen Bedingungen bleiben die
Andruckmakulaturwerte erstaunlich niedrig. Wie lässt sich das erreichen? Das Voreinfärben erfolgt nach dem Farbwerkwaschen automatisch während des Maschinenhochlaufs. Die benötigte Farbmenge hängt von der Gesamtoberfläche aller Walzen, der gewünschten Farbdichte sowie den eingesetzten Materialien ab. Grund für die neue Voreinfärbetechnik: Sujetanteile mit geringem
Flächendeckungsgrad erreichen langsamer die Sollfarbdichte, wenn dem Einstellen der Farbzonen die RIP-Daten zugrunde liegen. Anspruchsvolle Anzeigensujets sollen aber schnell in einer vom Kunden akzeptierten Qualität die gewünschte
Farbgebung erreichen. Ergebnis des neuen Einfärbeverfahrens ist vor allem eine stark minimierte Andruckmakulatur. Mit QuickStart sind nur wenige Zylinderumdrehungen notwendig, um verkaufbare Exemplare zu produzieren. Quick-Start Pro minimiert die Hochfahrmakulatur noch weiter.


IFRA: Welche Rolle spielt dabei Ihr neues Serviceangebot printadvice?

Thomas Schönbucher: printadvice setzt bereits bei der Gebäudeplanung oder Gebäudesanierung an, die heute unter ganz anderen Kriterien betrachtet werden als noch vor etwa 20 Jahren. Großvolumige Druckhallen müssen stets sehr strikte Umweltparameter, z.B. Luftfeuchtigkeit, Temperatur, aufweisen. Bei einem ökologisch clever geplanten Gebäude kann der Aufwand zur Einhaltung dieser Parameter durch bauliche Maßnahmen nachhaltig minimiert bzw. optimiert werden. Standen bis vor Kurzem beispielsweise noch repräsentative Glasfassaden im Fokus der Planer, treten derart ästhetische Ansätze heute in der Regel hinter ökologischen Gesichtspunkten zurück. Umweltbelastungen, die z.B. durch erhöhte Kühlungsanforderungen durch massive Sonneneinstrahlung entstehen, werden heute nach Möglichkeit weitestgehend vermieden. Andererseits kann jedoch gerade die Sonneneinstrahlung sehr wohl im umweltschützenden Sinne genutzt werden. Durch „intelligente“ – sich selbst regulierende – Panels kann die Sonneneinstrahlung so genutzt werden, dass sie ihrerseits einen erheblichen Beitrag zur Verminderung des Energiebedarfs leistet.

Und damit sind wir beim eigentlichen Hauptverursacher von Umweltbelastungen, dem relativ hohen Energiebedarf einer (Zeitungs)Druckerei. Der Energiebedarf einer Druckerei hat in den vergangenen 15 Jahren nachweislich massiv zugenommen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Farbigkeit der Druckprodukte und damit einhergehend der Verbrauch der Betriebsmittel zugenommen haben. Parallel zu dieser Entwicklung haben mechanische und elektronische Innovationen nachhaltig zu einer Verringerung des Energiebedarfs im Drucksaal beigetragen.

Die Reduzierung des elektrischen Energiebedarfs beinhaltet indes nicht nur die Reduzierung des Energiebedarfs der Druckmaschine an sich. Vielmehr müssen darüber hinaus Maßnahmen in der Infrastruktur des Drucksaals ergriffen werden, die den gesamten Strom- und Energieverbrauch so steuern, dass im Bedarfsfall – oder besser: Nichtbedarfsfall – unnötige Stromverbraucher abgeschaltet werden können, ohne dass dadurch Beeinträchtigungen der Druckproduktion entstehen. Die umweltfreundlichste Art, Energie zu sparen und Umweltbelastungen zu vermeiden, ist: Bei Nichtgebrauch abschalten! In der modernen Gebäudetechnik geschieht dies in erster Linie durch intelligente Steuerungs- und Energierückgewinnungssysteme. In den letzten Jahren hat diesbezüglich auch bei printadvice/Eurografica selbst ein massives Umdenken stattgefunden: Im Mittelpunkt unserer Planungsprozesse stehen heute nicht mehr schöne Druckereien, die funktionsfähig sind, sondern ganz speziell schöne Druckereien, die funktionsfähig sind und umweltschonend produzieren können. So fokussiert sich heute unser Know-how z.B. auf Maßnahmen zur Reduzierung des Energieaufwands beim Heizen großer Räume, beispielsweise von Drucksälen. Eine große Herausforderung dabei ist es, die entstehende Abwärme, die beim Betrieb der Druckmaschine entsteht, zum Beheizen des Drucksaal oder angeschlossener Gebäudeteile zu nutzen. Hier liegt ein enormes Energieeinsparpotenzial. Gebäudeplanungen erfolgen heute unter diesem Gesichtspunkt.

Zweifelsohne trägt die Reduzierung der Makulatur ebenfalls zum Umweltschutz bei, da das Papier, das dabei gespart wird, gar nicht erst hergestellt werden muss und ein entsprechender Energieverbrauch und demzufolge eine erhöhte Umweltbelastung gar nicht erst entstehen. Noch wichtiger, bislang jedoch viel weniger ein Thema in der Druckindustrie, ist der Material- und Betriebsmittelverbrauch, z.B. das Reduzieren von Farbe durch entsprechende Software und permanente Optimierung der Drucktechnik – ohne Qualitätsverlust. Der reduzierte Farbverbrauch führt unmittelbar zu einer Reduzierung der Umweltbelastung. In den meisten umweltbewussten Druckereien stehen heute bereits moderne Waschmittelrückgewinnungsanlagen. Durch ein ausgeklügeltes System zum Separieren von Schmutz und Waschmittel entsteht eine wieder verwendbare Reinigungsflüssigkeit, die den Neubedarf für Lösungs- oder Waschmittel massiv verringert.

Hauptfaktor für erhöhte Umweltbelastungen ist – der Mensch. Unsere Erfahrungen bei printadvice/Eurografica belegen, dass der Mensch durch eine Veränderung seiner Arbeitsgewohnheiten den größten Beitrag zur Reduzierung der Umweltbelastung beitragen kann. Detaillierte Prozessanalysen bilden die Basis für die Prozessoptimierung. Wir zielen darauf ab, Produktionsprozesse nicht nur dahingehend zu optimieren, dass sie effizienter und effektiver werden, sondern auch, dass der Verbrauch von Material und Betriebsmitteln spürbar reduziert werden, Produktionsprozesse also umweltschonender werden. Im Zuge dieser Optimierungsprozesse wird der Mensch zum Umdenken angehalten. Ziel ist die massive Reduzierung bzw. komplette Einsparung von Energie, Material und Betriebsmitteln.

Diese Dienstleistungen sind bei uns integriert. Das Know-how ist vorhanden. Bislang jedoch verhindert manchmal die Zurückhaltung mancher Druckereibetreiber weitergehende Maßnahmen – noch. Investitionen in alternative bzw. umweltfreundliche Systeme und Drucksaallösungen erfolgen nur sehr zögernd. Die Gründe hierfür dürften zum einen in den höheren Anschaffungs- und Installationskosten für derartige zukunftsweisende Systeme, zum anderen in den vergleichsweise sehr langen Abschreibungszeiten liegen.

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