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Moritz Schwarz, iMedia, zur Automation in der Zeitungsrotation

Moritz Schwarz
iMedia

IFRA: Welche Automationslösungen sind heute Standard in modernen Zeitungsrotationen?

Moritz Schwarz:
Zu den Automatisierungslösungen, die heute als Standard bei modernen, doppelbreiten Zeitungsrotationen gelten können, zählen der Rollenwechsel (nur der Wechselvorgang als solches, nicht unbedingt die ganze Rollenlogistik, die Vorbereitung und das Einachsen der Rolle und die Entsorgung des Rollenrests). Weiterhin sind die zentrale Farbversorgung und die Farbvoreinstellung übliche Automatisierungskomponenten.

Noch nicht zum Standard zu rechnen, aber relativ häufig sind Farbregister-Regelungssysteme, allerdings nur bei Gummi-Gummi-Konfigurationen, da sie bei Satelliten-Maschinen nicht erforderlich sind. Was bei Satelliten wiederum sehr nützlich ist, ist die automatische Gegendruckzylinder-Reinigung, und zwar bei den oberen Satelliteneinheiten. Eher selten sind Farbwerk-Waschsysteme anzutreffen..

Als kostenpflichtige Extras sind zu betrachten: Gummituch-Reinigungsanlagen. Sie sind vor allem bei Vieldruckern zu empfehlen, da sich mit zunehmender Druckzeit vermehrt Papierstaub auf den Gummitüchern aufbaut, der die Druckqualität gefährdet und daher entfernt werden muss.

IFRA: Ist Automation eine Frage der Betriebsgröße? Können sich kleinere Betriebe leisten, in die Automatisierung zu investieren? (Was ist sinnvoll, was kommt weniger in Frage?)

M. Schwarz:
Automatisierung ist nicht unbedingt eine Frage der Betriebsgröße, es ist eher eine Frage der Lohnkostensituation. In einem Niedriglohnland wie Indien wird man weniger Automatisierung antreffen als in Deutschland beispielsweise, wo deutlich höhere Lohnkosten anfallen und durch Automatisierung teure manuelle Prozesse eliminiert werden können. Ein weiterer Faktor ist der Zeitgewinn, der bei entsprechender Produktionssituation durchaus maßgeblich sein kann. Je höher der Durchsatz, desto mehr Sinn macht die Automatisierung.

IFRA: In welchem Zeitraum amortisiert sich zum Beispiel ein Registerregelungssystem oder eine Farbdichteregelung?

M. Schwarz: Das kann man nicht pauschal sagen. Das hängt wiederum von der Produktionssituation und den Kosten und Abschreibungszeiträumen ab. In Deutschland wird es als akzeptabel angesehen, wenn sich eine Investition innerhalb von vielleicht 5 Jahren amortisiert, während in den USA nicht mehr als 1 bis 2 Jahre als akzeptabel gelten. Das liegt vor allem an der Verunsicherung in der Branche, die Angst hat, sich langfristig festzulegen und finanziell zu binden.

IFRA: Bei Closed-Loop-Registersystemen gibt es verschiedene Ansätze, mit und ohne Registermarken, Wo liegen die Vorteile der jeweiligen Lösungen.

M. Schwarz: Farbregisterregelung funktioniert meistens mit Passermarken. Allerdings gibt es auch schon Systeme, die ohne Marken auskommen und statt dessen bilddatenbasiert arbeiten (z.B. von Q.I. Press Controls oder Wifag).
Bei den Systemen mit Registermarken kommt es wesentlich auf die Größe der Marken an, die von ca. 1,5 mm (extrem groß) bis zu einem Bruchteil eines Millimeters (extrem klein) sein können. Der einzige Grund, warum Farbregisterregelungssysteme ohne Passermarken entwickelt wurden, ist weil der Markt es verlangt. Das ist allerdings kaum nachzuvollziehen, wenn man sich vor Augen führt, dass ein 0,2 mm großer Punkt kaum wahrgenommen werden kann und somit eigentlich nicht störend sein kann. Systeme, die auf Passermarken verzichten sind aufwendiger und teurer – aber der Kunde ist König.

IFRA: Wie sinnvoll ist die Nachrüstung bestehender Rotationsmaschinen? Und worauf ist dabei besonders zu beachten?

M. Schwarz: Ein Farbregisterregelungssystem nachzurüsten ist durchaus sinnvoll, wenn es sich um eine doppelbreite Gummi-Gummi-Maschine handelt. Meist können mit einem solchen System auch weitere Registerregelungen gleich mit einbezogen werden. Normalerweise wird die Farbe zwischen den beiden H-Druckeinheiten vorgenommen, wo die Bahn die längste Strecke zwischen den Druckeinheiten zurücklegt. Eine Integration in die Maschinensteuerung (Leitstand) ist keine Bedingung, eher eine Kostenfrage.

Page first published: 22.10.2008

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