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Story-Planungstools: Interview mit Davide Garavaglia, Atex

Davide Garavaglia
Business Development & Marketing Manager
Atex

Davide Garavaglia ist Business Development & Marketing Manager bei Atex. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Multimedia-Publishing-Lösungen.

IFRA: Was erwarten Redaktionsmanager heutzutage von ihren Planungslösungen?

Davide Garavaglia:
Unsere Erfahrung zeigt, dass Redaktionsmanager sich nach Kooperationstools umsehen, mit denen sich die Produktivität der kleiner werdenden Redaktionsmannschaften steigern lässt (mit weniger Ressourcen mehr erreichen). Als wichtigste Merkmale werden angeführt: nutzerfreundlich, intuitiv, ortsunabhängig (Web-basiert) und vollständig in den Nachrichtenerschließungs- und Produktionsprozess integriert. Die Lösung soll dafür ausgelegt sein, Themen, Aufgaben, Aufträge, Fertigstellungstermine und Prioritäten entsprechend den verschiedenen Bedürfnissen und Rollen der Mitarbeiter in einem multimedialen Rund-um-die-Uhr-Nachrichtenzyklus zu verwalten. Redaktionsmanager und Journalisten sollen keine umfangreichen Formulare am Bildschirm ausfüllen müssen. Minimaler User-Input und Nutzerfreundlichkeit sind ein absolutes Muss, um von den Anwendern angenommen zu werden. Mit aparten Funktionen für Dienstplanung, Urlaubsplanung und Ausrüstungsverwaltung lässt sich bei Ausschreibungen oftmals punkten, ihre praktische Bedeutung ist jedoch gering.

IFRA: Was macht die Nutzung Ihres Systems so einfach, dass ein außerhalb der Redaktion arbeitender Reporter jederzeit Zugriff auf seine Story, Themenplanung, Aufträge usw. hat und diese aktualisieren kann?

D. Garavaglia: Hier gibt es einfache Möglichkeiten für das Abspeichern von Artikeln, die Entgegennahme von Aufträgen, das Hochladen von Bildern per Handy, Internet etc. (per Satellitentelefon „aus dem Busch“). Entscheidend ist der Aspekt, wie Journalisten wirkungsvoll in einer Redaktion zusammenarbeiten können, die nicht länger nach Produkten, Ressorts und Verbreitungskanälen getrennt ist, sondern wo sich die Mitarbeiter dynamisch und ad hoc an bestimmten Storys zusammenfinden. Es hat sich gezeigt, dass das Atex-Kooperationstool Sked nach einstündiger Einweisung von jedem Journalisten verstanden wird und eingesetzt werden kann. Journalisten können damit in einer Art Forumsumgebung zusammenarbeiten. Wir nennen das „chat on the object“ (objektbezogener Chat). Für Redaktionen, die nach medienneutralen Nachrichtenerschließungs-Konzepten arbeiten, ist „chat on the object“ ein effektives Tool für die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Produktkanälen. Für den durchschnittlichen Journalisten ist Sked ein sinnvolles Kooperationstool und keine zusätzliche Arbeit.

IFRA: Welche Art von Überblick bietet Ihre Lösung Redakteuren und Reportern, die für multimediale Storypakete arbeiten?

D. Garavaglia: Als bildhafter Vergleich bietet sich die lange Abflugtafel an, auf die man schaut, wenn man einen größeren Flughafen betritt. Was steht als Nächstes an? Was ist gerade dran? (Flug nach Las Palmas). Wo liegen die Prioritäten? Wer macht was? Wann ist Termin? Angezeigt werden die Infos, die rund um die Story von Bedeutung sind. Im Kern geht es darum, den Journalisten dabei zu unterstützen, eine hervorragende Story für einen bestimmten Verbreitungskanal zu liefern. Sked bietet unterschiedliche Benutzersichten, die auf die jeweiligen Rollen der Nutzer abgestimmt sind.

IFRA: Inwiefern hat sich die Entwicklung der letzten Monate auf Verlage ausgewirkt, die nach neuen Lösungen suchen, insbesondere unter dem Aspekt, dass viele Redaktionen vor der großen Herausforderung stehen, ihre redaktionellen Aufgaben mit drastisch reduziertem Personal zu bewältigen? Uns ist aufgefallen, dass einige Anbieter von Redaktionssystemen betonen, wie sehr ihre Systeme zur Effizienzsteigerung beitragen. Redaktionsverantwortliche, die sich nach neuen Systemen umsehen, möchten daher vermutlich wissen, wie sie fehlende Kapazitäten durch Technologie so weit wie möglich kompensieren können.

D. Garavaglia: Die Kunden verlangen immer häufiger nach Lösungen, die es ihnen ermöglichen, die Prozesse, die sich am häufigsten wiederholen, wie beispielsweise Layout und Seitenumbruch, schneller und rationeller abzuwickeln, bzw. nach Lösungen, die konvergente Multichannel-Workflows unterstützen.

IFRA: Die Preisgestaltung ist derzeit sicherlich eine echte Herausforderung, angesichts der Tatsache, dass die Zeitungen finanziell unter Druck stehen und sich einen zu hohen Preis einfach nicht leisten können. Wie reagieren Sie in dieser schwierigen Situation?

D. Garavaglia: Da der Preis normalerweise an den Wert gekoppelt ist, den ein Kunde einer Softwarelösung beimisst, ist eine wesentliche Senkung der Preise bei uns zurzeit nicht aktuell. Wir stellen jedoch fest, dass der Druck auf die Bar- und Investitionsausgaben unsere Kunden zunehmend dazu drängt, IT-Dienste und -Lösungen als Managed Service zu betreiben – ein Angebot, das bei Atex 2008 zehnjähriges Jubiläum hatte.

IFRA: Sie erwähnten, dass Atex sich verstärkt mit dem digitalen Geschäft befasst. Könnten Sie das bitte näher erläutern? Ist Atex ebenso wie andere Anbieter dabei, sein Geschäft zu diversifizieren, z.B. indem man sich stärker dem Zeitschriftenmarkt zuwendet, Lösungen an Banken, Regierungsbehörden etc. verkauft, die zunehmend Bedarf an einer Veröffentlichung ihrer Informationen haben?

D. Garavaglia: Atex strebt an, bis zum Jahr 2011 rund 50 Prozent der Einnahmen im digitalen Geschäftssektor zu erzielen. Unsere Strategie umfasst mehrere Optionen, u.a. die Ausrichtung unserer bestehenden Kernlösungen für unseren traditionellen Markt auf das digitale Geschäft, aber auch die Bedienung anderer Branchen, die Bedarf an Web-Publishing-Lösungen haben, wie Einzelhandel, Finanzsektor, Bildungssektor und Telekomunternehmen. Der Schwerpunktbereich von Atex wird auch weiterhin der Zeitungsmarkt sein. Die anderen Branchen werden künftig von Polopoly und einem breiten Netzwerk von Geschäftspartnern bedient.

IFRA: Inwieweit sind Ihre Planungstools auf die spezielle Zielgruppe der Herausgeber zugeschnitten, die Sie ansprechen möchten, d.h. was bieten Sie bzw. was können Sie einer Publikation mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren bieten, im Unterschied zur Publikation einer großen Mediengruppe?

D. Garavaglia: Unserer Ansicht nach steigt der wahrgenommene Vorteil einer redaktionellen Kooperationslösung exponentiell mit der Größe der Redaktion. In einer kleinen Redaktion, die beispielsweise für eine Auflage von 15.000 Exemplaren arbeitet, kann das beste Planungs- und Kooperationstool durchaus das Telefon oder die mündliche Kommunikation sein. In großen Redaktionen, insbesondere solchen, die Wert auf medienkonvergentes Arbeiten legen, ist ein effektives Planungs- und Kooperationstool der „Lebensnerv“ der Organisation.

Page first published: 20.01.2009

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