Klaus Schmidt, KBA, zur Bahnbreitenvariabilität
Klaus Schmidt
Director Marketing /
Corporate Communications
Koenig & Bauer AG
Februar 2008 - Bahnbreitenvariabilität bei KBA-Zeitungsrotationen.
IFRA Magazine: Wie häufig ist Bahnbreitenvariabilität bei Neubestellungen Bestandteil des Anforderungskatalogs?
Klaus Schmidt: Die Tendenz ist deutlich steigend. Zur Zeit knapp 40 % bei Neubestellungen.
IFRA: Was sind die Kriterien für die Wahl des einen oder anderen Verfahrens? Und welche Variante wird am häufigsten gewählt?
K. Schmidt: Das bevorzugte Verfahren hängt im Wesentlichen ab von der Häufigkeit des Produzierens mit variablen Bahnbreiten, von der Varianz der benötigten Bahnbreiten und von der Anzahl der eingesetzten Bahnen. Bei KBA-Rotationen wurden in der Vergangenheit zumeist verschiebbare Trichter bevorzugt. Jüngst nimmt aus ergonomischen Gründen die rechtwinklige Anordnung des Überbaus oder Falzapparates zu. Durch Wenden der Stränge um 90° können dabei variable Strangbreiten individuell ausgerichtet und über die Trichtermitte gefahren werden.
IFRA: Die Cortina nimmt auch bei diesem Thema eine Sonderstellung ein? Welche Faktoren sind dafür verantwortlich ?
K. Schmidt: Das stimmt. Da bei der Cortina keine Farbzonenschrauben und keine Feuchtwerke zum Einsatz kommen, ist diese Maschine für die Verarbeitung variabler Bahnbreiten prädestiniert. Die Umstellzeiten bei häufig wechselnenden oder vielen unterschiedlichen Bahnbreiten werden drastisch reduziert. Die von KBA entwickelte Lösung im Wendestangen- und Trichterbereich unterstützt dies zusätzlich. Dabei werden die Bahnen nach dem Auslaufen aus den Druckeinheiten aufgeschnitten und die einzelnen Stränge über jeweils eine einzelne Wendestange auf die Mitte eines um 90° zur Maschinenlängsachse versetzten Trichters geführt. Eine im Trichtereinlauf installierte automatische Schnittregisterregelung überwacht und steuert das Register in Umfangs- und Seitenrichtung.
IFRA: Welche Möglichkeiten bieten sich bei der Kompaktrotation Commander CT?
K. Schmidt: Die Nassoffsetrotation KBA Commander CT baut auf der selben Kompakt-Plattform auf wie die Cortina, verfügt aber über Feuchtwerke und Zonenschrauben. Entsprechend ist der Umstellaufwand bei variablen Bahnbreiten wie bei jeder konventionellen Zeitungsrotation etwas größer, da Farb- und Feuchtwerke erst auf die neue Bahnbreite eingestellt werden müssen. Ansonsten gelten bzgl. der Bahnbreiten-Variabilität alle bereits beschriebenen technischen Möglichkeiten der KBA Cortina. Die niedrige Bauweise mit einfacher Bahnführung und der damit verbundene schnelle Bahneinzug bis in den Falzapparat bietet natürlich auch beim Thema variable Bahnbreiten ergonomische Vorteile gegenüber der Satelliten-Bauweise.
IFRA: Was sind die Bedingungen für eine Nachrüstung von Einrichtungen für die Verarbeitung variabler Bahnbreiten bei bestehenden Anlagen und welcher Automatisierungsgrad kann erzielt werden?
K. Schmidt: Eine Nachrüstung ist bei fast allen KBA-Anlagen mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden möglich. Mit dem Automatisierungsgrad steigt allerdings der Aufwand deutlich.
IFRA: Wie beurteilen Sie die zukünftige Entwicklung? Wird Bahnbreitenvariabilität bald ein Standardmerkmal bei Coldset-Rotationen sein?
K. Schmidt: Da viele Zeitungsbetriebe durch eine flexiblere Produktion ihre Maschinen besser auslasten wollen, wird sich die Nachfrage weiter verstärken, ohne dass diese Möglichkeit gleich zum Standard wird.
IFRA: Volle Formatflexibilität wäre erst mit der variablen Abschnittlänge gegeben. Wie stehen die Chancen für eine praktikable Lösung in naher Zukunft?
K. Schmidt: Technisch ist fast alles machbar, aber nicht immer ökonomisch sinnvoll. Ein Hersteller einer Kompaktrotation wirbt damit, dass seine Maschine durch den schnellen Wechsel der Zylindergruppen im Achterturm formatflexibel sei. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn man braucht für jedes potenzielle Format eine eigene Zylindergruppe, auch wenn diese nur selten gebraucht wird. Dies scheitert dann in der Regel an den Kosten und am verfügbaren Platz. Im Akzidenzbereich liefert KBA für High Volume-Rotationen bereits seit längerem formatvariable Greiferfalzapparate aus. Machbar wären mit einem entsprechenden Mehraufwand auch Punktur-Doppelfalzwerke für unterschiedliche Abschnittlängen. Aufblasbare Zylinder oder schnell zu wechselnde Formzylinder wie z. B. bei schmalbahnigen Verpackungsrotationen gibt es leider für Zeitungsmaschinen noch nicht, denn dort sprechen wir von ganz anderen Größenverhältnissen und Geschwindigkeiten.
Page first published: 18.12.2007


