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Business-Regionalbericht: Ostasien

Von Andrew Lynch
Herausgeber des Asian Newspaper Focus
und Ifra-Korrespondent

Noch im April verwahrte sich der malay­sische Holzmagnat Tan Sri Tiong Hiew King gegen den Vorwurf, mit der marktführenden Zeitung Sin Chew Jit Poh und der Guang­ming Daily ein Monopol bei den chinesisch­sprachigen Zeitungen des Landes zu schaffen. „Wie kann es in einem freien Markt mit freiem Wettbewerb ein Monopol geben?“, fragte er in einer Rede.

Wie viel schwieriger muss es sein, diese Frage zu beantworten, seit Tan Sri Tiong, dem auch die Ming Pao Daily News in Hongkong gehört, einen beherrschenden Anteil am Verlag Nanyang erworben hat, der die etwas lahmende Nanyang Siang Pau und die glänzend laufende China Press herausgibt. Damit gibt es nur noch eine größere chinesisch­sprachige Zeitung, die nicht Tan Sri Tiong gehört – die Oriental Daily News, lanciert von einem Rivalen des Holzmagnaten. Was etwas ungewöhnlich für einen chinesischen Pressemagnaten ist, dass Tan Sri Tiong sich ganz offen zu seiner Rolle mit den Worten äußerte: „Um ehrlich zu sein, gab es seitdem ich mich in der Zeitungsbranche engagiere nicht viel Anlass zu Freude und Zufriedenheit, sondern viele Anstrengungen und Aufgaben.“

Solche Bedenken hielten Richard Li, Sohn von Asiens ­reichstem Mann Li Ka-shing, nicht davon ab, Mitglied im Club der Zeitungs­eigentümer zu werden: 2006 wurde er mit dem Kauf des Hong Kong Economic Journal für eine geschätzte Summe von
36 Mio. US-$ Verleger. Was er mit der verblassten Perle in Hongkong vorhat, ist noch unklar. Berichten zufolge beschränkt sich seine Rolle zunächst auf die betriebs­wirt­schaftliche Seite des Geschäfts – so laute eine Vereinbarung zwischen ihm und dem Besitzer und legendären Kolumnisten Lam San-miu. Unterstützung erhält Li von Morris Ho, einst einer von Jimmy Lais fähigsten Kapitänen bei Next und Apple Daily. Er sollte daher nicht unterschätzt werden.

2006 war das Jahr, in dem Lai die Früchte seiner Arbeit im Unternehmen Apple Daily Taiwan erntete, das er im Jahr 2003 in Taipeh gründete. Sein Geschäfts­bereich Zeitungen verzeichnete zum Ende des Geschäftsjahres im April ein Wachstum von fast 19 %. Die Anzeigen­einnahmen des gleichnamigen Zeitungstitels Apple Daily Taiwan (Auflage von mittlerweile 527.609) stieg um über 52 % auf umgerechnet rund 70 Mio. Euro. Nicht, dass Lai sich auf seinen Lorbeeren ausruht. Im Oktober lancierte er Sharp Daily, eine kostenlose Tageszeitung mit einer täglichen Auflage von 200.000 Exemplaren.

In Hongkong soll es selbst für Lai schwierig sein, im Gratis­zeitungs­markt Fuß zu fassen. Die zu Metro International gehörige Metro Hong Kong erweist sich dank einer Exklusiv­verein­barung mit der MTR-Unter­grund­bahn als konstant profitabel. Die zur Sing Tao-Gruppe gehörende Headline Daily hat eine geprüfte Auflage von 600.000 Exemplaren und steht dem Vernehmen nach unmittelbar vor dem Break-even. Das dritte Produkt auf diesem Markt, die am7.30, gehört einem Immobilien­händler und hat sehr zu kämpfen. Trotz des starken Windes, der den auflagenstarken Tageszeitungen von Seiten der Gratiszeitungen entgegen bläst, entwickelt sich der Markt weiterhin glänzend. Die Hong Kong Economic Times legte seit ihrer Börsennotierung im Jahr 2005 die ersten Ganzjahres­zahlen vor. Dabei stieg ihr Nettogewinn um 51 % auf 98,2 Mio. HK-$ (rund 9,7 Mio. Euro) bei einem Umsatz von 721,7 Mio. HK-$. Um seinen Verbindlich­keiten nachzukommen, übertrug Lawrence Fung, Präsident und Gründer von HKET, der Universität von Hongkong 10% des Aktienkapitals (im Wert von 8,5 Mio. Euro).

Das Gratisfieber hat auch Singapur erfasst: Die führende Singapore Press Holdings lancierte die Gratiszeitung MyPaper in chinesischer Sprache. SPHs bezahl­pflichtiges Hauptprodukt, Straits Times, gelang es, 40 % der Leserschaft auf sich zu vereinen, was ermutigend für den Verlagsoberboss Cheong Yip Seng ist, der nach fast fünf Jahrzehnten in den Ruhestand tritt.

SPH meldet einen Umsatz von 1,02  Mrd.  Singapur-$ und 428,5 Mio. S-$ (214,6 Mio. Euro) Jahres­gewinn.

In China suchten keine Zeitungsgruppen den Weg zur Börse, den die Beijing Youth Daily Ende des Jahres 2004 in Hong Kong wählte. Die Guangzhou Daily lancierte versuchsweise eine Pendler­gratis­zeitung. Dem Druck­maschinen­hersteller KBA gelang es, seinen bislang größten Auftrag in China bei der Zhejiang Daily News zu platzieren, während Goss erwartungsgemäß Ende des Jahres einen Großauftrag von der Wen Hui/Xinmin-Gruppe in Shanghai bekannt geben wird.

Infolge der politischen Krise, die im September den Militärputsch in Thailand auslöste, wurde gegen eine der auflagen­stärksten Zeitungen, die Kom Chad Luek der Nation Multimedia-Gruppe, ein fünftägiges Publikations­verbot verhängt, nachdem die Zeitung Kommentare publiziert hatte, die nach Ansicht des damaligen Minister­präsidenten Thaksin Shinawatra die Monarchie beleidigten.

Die Kommentare stammten von Medien­unternehmer Sondhi Limthongkul, Gründer der Unternehmens­gruppe, der sich Thaksin stark widersetzte. Thaksin wurde verdrängt. Sondhis neue Tageszeitung, die ThaiDay, die dem International Herald Tribune beigelegt wurde, wurde eingestellt, da sie durch Druck von Thaksin nicht mehr existenzfähig war, wie Sondhi beklagte.

Page first published: 08.11.2006

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