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Interview mit Niko Ruokosuo: Neues Denken gefragt

Niko Ruokosuo
President
Sanoma Kaupunkilehdet
Finnland

Niko Ruokosuo, Präsident von Sanoma Kaupunkilehdet in Finnland, wird als Vorsitzender die „Future of News Publishing“-Konferenz am 9. und 10. Oktober 2008 in Rom moderieren. Wir sprachen mit ihm über aktuelle Herausforderungen und Chancen für die Zukunft der Zeitungsverlage.

IFRA: Wie sehen Sie die gegenwärtige Situation in den USA und in einigen Teilen Europas, angesichts der Nachrichten über Stellenabbaumaßnahmen aufgrund rückläufiger Einnahmen und Auflagen? Befinden wir uns hier an einem Scheideweg, zumindest in den USA? [Anm. d. Red.: Niko Ruokosuo war 1995 – 2004 in verschiedenen Führungspositionen bei der Los Angeles Times tätig.]

Niko Ruokosuo:
Momentan sieht es in der Tat etwas trist aus, vor allem in den USA. Leider ist die Zeitungsindustrie diesen Druck und plötzlichen Bedarf an Innovation und neuem Denken nicht gewohnt, daher sind die Fähigkeiten zur Generierung neuer Geschäftsmodelle und Umsatzströme beschränkt. Man darf gespannt sein, ob einige US-Zeitungen es noch rechtzeitig schaffen, Wind unter die Flügel zu bekommen, um nicht zu Boden zu gehen. Das ist eine heikle Aufgabe. Die übrige Welt wäre töricht, zu glauben, dass sie von diesem Trend verschont bliebe. Man sollte das herkömmliche Zeitungsgeschäft so weit wie möglich rationalisieren und einen Teil der Einsparungen in neue Geschäftsmodelle, Umsatzströme und Partnerschaften investieren. Sorgen muss man sich jedoch nicht nur um die Zeitungsindustrie an sich, sondern auch um das Niveau der Informationen und um die Bildung der Jugendlichen, was aktuelle Ereignisse, Nachrichten und Kultur angeht. Wenn die Beschäftigung mit sorgfältig editierten Zeitungsinhalten wegfällt, muss sich das ja auf die eine oder andere Weise auswirken.

IFRA: Ungeachtet aller Unkenrufe in der Branchenberichterstattung ­wissen wir, dass es auch „gute Nachrichten“ gibt. Welche positiven ­Anzeichen haben Sie in letzter Zeit im Hinblick auf Innovationen in den Bereichen Strategie, Geschäftsmodelle und Technologie gesehen?


N. Ruokosuo: Positiv ist meines Erachtens die lokale Ausrichtung und deren richtige Beherrschung. Das gilt sowohl für Inhalte als auch für Werbung. Es erfordert ein neues Denken in Bezug darauf, wie Ressourcen genutzt werden und wie Leser und Unternehmen mit den Medien zusammenarbeiten. Ein weiterer Trend, der sich damit verknüpfen lässt, ist die Mobiltechnik. Richtig eingesetzt, kann sie einen völlig neuen Kanal für die Kommunikation mit Lesern eröffen, die gerade unterwegs sind. Durch die Kombination lokaler Informationen mit Standortdaten des Lesers lässt sich die Relevanz erheblich steigern. Ein weiterer positiver Trend ist der höhere Grad an Kooperation, Joint-Ventures und Partnerschaften. Ob diese mit globalen Online-Playern oder kleineren lokalen Unternehmen geschlossen werden, ist unerheblich, aber ohne Kooperation können sich Zeitungen oft nicht schnell genug erneuern.

IFRA: Wie schwierig ist es heutzutage, eine langfristige Vision zu bewahren, und was heißt „langfristig“ heute, angesichts des zunehmenden finanziellen Drucks?

N. Ruokosuo: Vision und Strategie sollten Instrumente sein, die dem Management und den Mitarbeitern die Richtung vorgeben und als Richtschnur dienen. Meistens haben sie jedoch die gegenteilige Wirkung und führen zu einem Tunnelblick und eingeschränkter Beweglichkeit. Im heutigen Umfeld heißt „langfristig“ drei bis sechs Monate. Dadurch werden selbst Jahresbudgets in Frage gestellt, von Strategie und Vision ganz zu schweigen.

IFRA: Welche interessanten Projekte laufen zurzeit in Ihrem Unternehmen?

N. Ruokosuo: Bei Sanoma City Papers sind wir in der wirklich glücklichen Lage, dass wir den Markt der nutzergenerierten Inhalte für Zeitungen in Finnland erobert haben. Wir empfangen rund 60.000 Textnachrichten pro Jahr, und in diesem Jahr werden wir von unseren Lesern rund 20.000 Fotos erhalten. Auf der Titelseite eines unserer täglichen Gratisblätter erscheint in diesem Jahr jeden Tag ein nutzergeneriertes Foto und alle diese Fotos stammen von berichtenswerten Ereignissen. Es ist Teil unserer Strategie, dass nutzergenerierte Beiträge bis zum Jahr 2011 20 Prozent unserer Inhalte ausmachen sollen. Das ist eine spannende Sache.

Page first published: 30.07.2008

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