Interview mit Tony Ridder
Tony Ridder, member of Board McClatchey Newspapers.
In seiner Zeit als CEO von Knight Ridder bescherte Tony Ridder dem Unternehmen erfolgreiche Jahre. Doch veränderte Markt
Schließlich glaubten institutionelle Anleger – insbesondere Finanzmanager und Fonds – sie hätten die Wahl zwischen dem Verlust ihrer Investitionen und dem teilweisen oder kompletten Verkauf des Unternehmens mit Gewinn. Dies erschien ihnen als einzige Möglichkeit Ertrag zu erzielen. T. Ridder betrachtete dies nicht als zukunftsfähige – oder langfristig gewinnbringende – Strategie, doch die Mehrzahl der Anteilseigner war anderer Ansicht. Heute sitzt der Mann, der sich letztes Jahr um diese Zeit als starke Persönlichkeit in der Branche erwies, im Vorstand des neuen Eigners McClatchy.
zeitungs
Tony Ridder: Bis Ende 1990, Anfang 1991, als eine Rezession eintrat, stiegen die Anzeigen
zt: Verlagerte er sich ins Online-
T. Ridder: Ja. Blickt man also zurück ins Jahr 1991 – das war eine Rezession, in der z.B. Warenhäuser in Konkurs gingen. Doch der jüngste Einbruch (im Jahr 2001) war anders als bisher. Er war sowohl durch die Rezession als auch durch das Internet bedingt. Bei den Einnahmen aus Stellenanzeigen verlor unser Unternehmen innerhalb dieses Zweijahres
zt: Also war der Pessimismus der Analysten gerecht
T. Ridder: Ja. Die Branche rechnete in diesem Jahr mit einem Wachstum der Anzeigenerlöse im Bereich von vielleicht 2 bis 3 Prozent, was zu optimistisch war. Es ist wirklich ein Dilemma, denn obwohl die Zeitungsbranche Einnahmen erzielt und profitabel ist, sieht der Markt die Zukunft der Branche negativ. Und das wird sich nicht ändern, solange die Anzeigen
zt: Wird das je wieder der Fall sein?
T. Ridder: Ich weiß es nicht. Es hängt davon ab, wie schnell es der Branche gelingt, ihr Internet
zt: Einige Journalisten sagen über ihren eigenen Beruf, dass dort gewisse Einnahmen
T. Ridder: Es hängt davon ab, was Sie mit „überleben“ meinen. Gehört Ihnen das ganze Geschäft, sind Sie ein privat
zt: Manche Analysten bevorzugen Private-
T. Ridder: Sie wissen, was Private-
zt: Die Zeitungsbranche ist zurzeit von M&As geprägt. Sich von kleineren Unter
T. Ridder: Ich verstehe nicht, wie Sie dadurch Einnahmen erschließen. Sie meinen, man zerschlägt das Unternehmen einfach und verkauft die Einzelteile? Ich halte das nicht für eine gute Strategie.
zt: Also begeht die Tribune, die sich nach Käufern für einige ihrer wichtigen Unter
T. Ridder: Nein, Tribune steht unter dem gleichen Druck wie wir. Dieser geht von den Personen aus, die das Unternehmen besitzen. Ein kleiner Unterschied besteht darin, dass wir drei Anteilseigner hatten, denen 37 Prozent des Unternehmens gehörten und die den Verkauf den Unternehmens forderten. Wir hatten das Gefühl, dass sie leicht eine Mehrheit des Unternehmens auf ihre Seite bringen konnten. Was bei der Tribune vor sich geht, erfahre ich nur aus Artikeln, die ich über das Unternehmen lese, doch es steht unter dem gleichen Druck, unter dem wir standen, als die Aktionäre glaubten, sie könnten durch einen Verkauf mehr aus ihrem Investment herausholen. Dies ist nichts anderes als eine Strategie zur Erzielung eines schnellen Gewinns.
zt: Ist für Sie derzeit ein Trend erkennbar, wonach große Zeitungs
T. Ridder: Ich würde es anders fassen. Es gab eine Zeit, in der man darum kämpfte, Zeitungen aufzukaufen, die auf den Markt kamen. Als wir die Zeitungen Kansas City und Forth Worth Star-
zt: Nun möchte niemand derartige Käufe tätigen?
T. Ridder: Nun, wer hätte je gedacht, dass Knight Ridder auf den Markt gehen würde und McClatchey das einzige Unternehmen sein würde, das ein Kaufinteresse zeigt. So etwas hatte es bisher nicht gegeben. Und wie viele stehen Schlange für den Kauf der Tribune Company? Gannett zeigte kein Interesse an Knight Ridder und ich weiß nicht, ob Gannett plant, ein Gebot für die Tribune Company abzugeben. Ich vermute, nicht.
zt: Sie klingen nicht sehr optimistisch, was die geschäftliche Zukunft der Branche betrifft.
T. Ridder: Ich mag das Geschäft wirklich. Ich wünschte, es gäbe Knight Ridder noch. Ich denke, es ist ein wirklich wichtiges Geschäft für die Demokratie in den USA. Ich glaube wirklich an das Zeitungs
zt: Diese Trends, von denen Sie sprechen, sind ein globales Phänomen, richtig?
T. Ridder: Nehmen wir das Beispiel unserer Lokalzeitung – der San Jose Mercury News. Wer soll über die Korruption im Rathaus, im Bezirk Santa Clara, im Police Department berichten bzw. über die Probleme an den Schulen, wenn nicht die Lokalzeitung? Diese Aufgabe übernehmen nicht die Fernseh-
zt: Wenn Sie der Meinung sind, dass Zeitungen für eine Demokratie unerlässlich sind, würden Sie ihnen dann raten, sich als Stiftung eintragen zu lassen (wie die St. Petersburg Times) oder nach philan
T. Ridder: Das Problem dabei ist, dass die St. Petersburg Times nur einem Mann gehörte: Nelson Poynter. Dieser übertrug die Zeitung dem Poynter Institute, sodass sich hier kein Gewinn ergab.
zt: Ja, das ist etwas, was heute nur Zeitungen im Ein-
T. Ridder: Ich würde es mir wünschen, dass Unternehmen, die zwei Klassen von Aktien haben – was wir nicht hatten –, sich dem Druck von Wall Street nicht beugen und sicherstellen, dass sie einen energischen Journalismus im Dienste der Öffentlichkeit und Community betreiben. Hat Ihr Unternehmen jedoch nur eine Klasse von Aktien und befindet es sich im Eigentum der genannten institutionellen Anleger wird es für Leute wie Dennis Fitzsimmons (der Tribune) schwierig.
zt: Welchen Rat würden Sie Zeitungen geben, die ihre Zukunft finanziell absichern wollen?
T. Ridder: Mein Rat wäre, so schnell wie möglich das Internet
zt: Einige der großen Zeitungs
T. Ridder: Sie sollten so viele alternative Einnahmequellen in Betracht ziehen wie möglich. Ich würde das tun. Doch das Geschäft würde ich nicht aufgeben.
zt: Glauben Sie das Jahr 2006 kann einfach als ein weiteres Jahr betrachtet werden, in dem die Zeitungen in einer reifen Branche zu kämpfen hatten, oder ist es der Anfang von etwas weitaus Bedeutenderem?
T. Ridder: Das nächste Jahr wird ein hartes Jahr werden, das es durchzustehen gilt. Ich denke aber die Dinge werden sich zum Besseren wenden. Doch würde ich das Wachstum der Bereiche des Geschäfts vorantreiben, von denen ich meine, dass sie ein großes Wachstums
zt: Und hier liegt das Geld bei den gestalteten Anzeigen, richtig? Nicht die Abonnements oder andere Formen des Online-
T. Ridder: Es sind nicht nur die gestalteten Anzeigen auf dem Bildschirm; das Geld liegt in all diesen verschiedenen Klein
zt: Sie kennen CEOs aus aller Welt und raten ihnen weltweit, dem Geschäft treu zu bleiben, da sie glauben, es werde sich auch weltweit verbessern.
T. Ridder: Völlig richtig. Es ist ein Geschäft von so wichtiger Bedeutung. Es ist so wichtig für die Zukunft der Demokratie, dass die Bürger informiert sind, die Politiker ehrlich bleiben und die Schulen nach Verbesserung streben. Ich denke einfach, Zeitungen leisten so vieles, was niemand anderes leistet. Es gibt nach meiner Ansicht nichts, was Tageszeitungen ersetzen könnte. Das bedeutet aber, dass Sie diese Informationen in gedruckter, aber auch in elektronischer Form bereitstellen. Auch verpacken Sie diese Informationen auf unter
zt: Welcher Sache widmen Sie sich zurzeit?
T. Ridder: Ich bin im Board von McClatchy und habe Angebote vorliegen, anderen Boards beizutreten, worüber ich mir Gedanken machen muss. Mit denen, die mit mir früher zusammen
zt: Es hört sich an, als wenn Sie das Zeitungmachen vermissen, wenn Sie mir diese Bemerkung erlauben.
T. Ridder: Ja, gewiss, ich vermisse es schrecklich.
Page first published: 10.11.2006


