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Stefan Krause zum Thema Umweltmanagement bei Madsack

Stefan Krause
Umweltschutzbeauftragter
Verlagsgesellschaft Madsack
Hannover.

Die Verlagsgesellschaft Madsack engagiert sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz und erzielt beachtliche Erfolge, auch ohne Öko-Audit oder ISO 14000. Als erster Zeitungsverlag in Deutschland hat Madsack 1995 eine Öko-Bilanz veröffentlicht, im Jahr 2000 wurde erstmals eine Untersuchung über die regionalen, nationalen und globalen Umweltwirkungen der Zeitungsproduktion über die gesamte Herstellungskette durchgeführt. Stefan Krause ist seit 15 Jahren Umweltschutzbeauftragter im Hause Madsack in Hannover.

IFRA: Seit wann engagiert sich Madsack systematisch für Umweltverträglichkeit in der Zeitungsproduktion?

Stefan Krause: Umweltschutz hat bei der Verlagsgesellschaft Madsack eine lange Tradition. Die Stelle des Umweltschutzbeauftragten gibt es seit 1993.

IFRA: Sie haben ein eigenes Umwelt-Managment etabliert? Orientieren Sie sich damit an den Regelwerken der Umweltzertifizierungssysteme ISO 14001 oder EMAS?

Stefan Krause: Wir beteiligen uns an dem ÖKOPROFIT -Programm. Das ist ein Umweltprogramm für Unternehmen aller Größenordnungen, das die Stadt und Region Hannover in Kooperation mit über 40 lokalen Unternehmen durchführt und das auch eine Umweltprüfung beinhaltet. An dem Programm, das ursprünglich aus Graz kommt, beteiligen sich inzwischen über 70 Kommunen in Deutschland. Ziel ist es, ökonomischer und ökologischer zu arbeiten und zwar über alle Branchen hinweg. Bei dem Umweltcheck kommt eine Kommission von Experten aus Umweltamt, Abfallamt usw. ins Haus und prüft gewisse Punkte nach einer Checkliste ab. Nach bestandener Prüfung erhält man dann die ÖKOPROFIT-Auszeichnung. Teile dieser Systematik haben wir auch auf die Standorte Leipzig, Göttingen, Peine, Marburg und Korbach übertragen. Auf freiwilliger Basis haben wir uns 2006 zusätzlich einer Umweltprüfung nach EMAS unterzogen. Um Schwachstellen aufzudecken, nicht zur Validierung.

IFRA: Warum haben Sie sich gegen eine Umweltzertifizierung entschieden?

Stefan Krause: Wir sind von dem programmatischen Ansatz von ÖKOPROFIT überzeugt. Wir haben weniger Dokumentationsaufwand zu betreiben als bei den groß angelegten Zertifizierungen und es fallen auch weniger Kosten an. Einen Vorteil sehen wir auch in dem Austausch mit anderen Unternehmen hier aus der Region Hannover, mit denen wir beispielsweise gemeinsame Aktionen vor Ort durchführen.

IFRA: Aktionen welcher Art?

Stefan Krause: Vor Kurzem haben wir eine Plakatserie entwickelt. Es handelte sich um neun verschiedene Plakate zur Information der Mitarbeiter, die gemeinsam erstellt und dann in allen beteiligten Unternehmen aufgehängt wurden. Sie sollen zu umweltbewusstem Handeln in der Büroumgebung anregen, Themen sind Heizung, Beleuchtung, Stand-by-Modus bei PCs usw. Dann sind wir auch zusammen mit Mitarbeitern aus den Unternehmen ins Kino gegangen. Es wurde eine Sondervorstellung des Films von Al Gore zum Klimawandel „Eine unbequeme Wahrheit“ organisiert.

IFRA: Gibt es in Ihrem Haus Mitarbeiter, die sich speziell um Umweltfragen kümmern?

Stefan Krause: Wir haben ein Umweltteam, in dem Kollegen und Kolleginnen aus dem Bereich Arbeitsicherheit, Technische Dienste, Liegenschaften und Zentraleinkauf vertreten sind. Weitere Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen werden jeweils projektbezogen mit eingebunden. Das funktioniert gut und ist effektiv.

IFRA: Können Sie uns ein paar konkrete Resultate Ihrer Umweltarbeit nennen?

Stefan Krause: Ja, im Energiebereich haben wir jährliche Einsparungen in Höhe von 1 Mio. Kilowattstunden erzielt. Und durch Recycling von Reinigungsmitteln sparen wir jährlich über 10.000 Liter Lösemittel ein. Auch bei der Druckplattenentwicklung reduzieren wir durch Filtration den Verbrauch von Plattenentschichter. Als neustes Projekt setzen wir Mikroorganismen zur Reinigung von Maschinenteilen ein. Dabei fallen keine Sonderabfälle mehr an.

IFRA: Was sind Ihre nächsten Zielsetzungen?

Stefan Krause: Die aktuelle große Aufgabe ist die Reduzierung der CO2-Emissionen im Zusammenhang mit der Zeitungsherstellung. Mit Hilfe von Ökopol [Anm. d. Red.: ein Umweltberatungsunternehmen in Hamburg, www.oekopol.de] haben wir die entsprechenden CO2-Emissionen ermittelt und auf dieser Basis planen wir spezifische Maßnahmen. Das Klimaschutzprogramm der Verlagsgesellschaft Madsack wird im Sommer 2008 veröffentlicht. Die relevanten Bereiche sind hier die Papierherstellung, der Energieverbrauch am Standort Hannover und der ganze Logistiksektor.

IFRA: Wie wichtig ist die Mitarbeitermotivation und wie erreicht man Sie?

Stefan Krause: Unsere Mitarbeiter sind motiviert. Wichtig dabei ist natürlich, dass die Infrastruktur stimmt, dass also die Mitarbeiter von den Maßnahmen keine Nachteile in der täglichen Arbeit haben. Und wesentlich ist auch die persönliche Ansprache.

IFRA: Wenn ein mittelständisches Zeitungshaus sich stärker im Umweltschutz engagieren will, aber nicht recht weiß, wie es die Sache angehen soll und auch nicht über große finanzielle Mittel und das Personal verfügt, um die Sache groß aufzuziehen, welchen Rat würden Sie geben?

Stefan Krause: Das ist eher eine Frage der Zeit als des Geldes. Kein Umweltschutz bedeutet auch unwirtschaftliches Arbeiten. Informationen darüber, was vorgeschrieben und was machbar ist, gibt es zum Beispiel beim Bundesverband Druck und Medien, bei deren Umwelt-Ausschuss, der auch ein Umwelthandbuch für Druckereien erstellt hat. In diesem Handbuch steht, was man wissen muss und was gesetzlich gefordert ist. Und dann gibt es auch noch Kennzahlen, anhand derer man sich mit anderen Druckereien vergleichen kann oder einen Vergleich mit den eigenen Ergebnissen des Vorjahres anstellen kann. Außerdem geben die örtlichen Behörden bereitwillig Auskunft, wenn man bezüglich der Gesetzeslage unsicher ist.


Page first published: 19.02.2008

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