zeitungstechnik: Wie weit kann der Einsatz von Technologie zur Automatisierung von Abläufen im Zeitungsbetrieb Ihrer Ansicht nach gehen?
Anna-Karin Jönsson: Wir glauben, dass sich die Arbeitsabläufe bei einer Zeitung vollständig automatisieren lassen, angefangen beim Journalisten, der seinen Text per Spracheingabe dem Computer zum Schreiben übergibt, über die vollautomatischen Prozesse im Druck und Versandraum bis hin zum Lkw.
Wenn Sie sich nur den Versandraumprozess anschauen, so läuft dieser bis zur Verladerampe bereits vollständig automatisch ab. Einzig die Verladung der Zeitungspakete in den Lkw erfolgt noch per Hand. Dies ließe sich durch einen Roboter automatisieren, der die Pakete vom Förderband aufnimmt und auf den Lkw lädt. Man könnte hierfür die Roboter einsetzen, die im Markt für die Palettenbeschickung erhältlich sind.
zt: Auf welchem Entwicklungsstand befindet sich Ihrer Einschätzung nach die Zeitungsbranche im Vergleich zu anderen hoch automatisierten Industriezweigen, wie der Automobilindustrie? Liegt noch ein weiter Weg vor uns?
A. K. Jönsson: Nein. Die Zeitungspapierrollen werden von fahrerlosen Transport systemen befördert; für das Wechseln der Platten gibt es auf dem Markt Druckmaschinen mit automatischem Plattenwechsel; die Farbe wird aus den Tanks automatisch über Pumpsysteme zugeführt; die Versandraum abläufe sind mit Ausnahme der Hinzufügung von Materialien wie Umreifungsbänder oder Verpackungen vollständig automatisiert.
zt: Welche Pläne zur Automatisierung der Zeitungsproduktion verfolgt IDAB Wamac als Nächstes? Halten Sie im Versandraumbereich die Implementierung noch stärker automatisierter Lösungen für erforderlich und wenn ja, weshalb?
A. K. Jönsson: Wir glauben, dass es im Versandraumbereich nicht mehr viel zu automatisieren gibt, daher konzentrieren wir uns auf die Optimierung der Abläufe im Versandraum: die Kontrolle über den Prozess, den schnelleren Betrieb, die Anpassung an unterschiedliche Arten von Zeitungspapier, die Produktivitätssteigerung, die Makulaturreduzierung und die Gesamtqualität des Endprodukts. Wir arbeiten zurzeit auch an der Integration des Distributionsprozesses, um die Gesamtkosten für die Beförderung der Zeitung zum Leser zu optimieren.
Darüber hinaus richten wir unser Augenmerk auf Marktbedürfnisse wie den Dreiseitenbeschnitt, die Haftnotizen-Aufbringer, Falzwerke für den Viertelfalz etc. Diese Funktionen sind erforderlich, um das Aussehen und Format einer Zeitung attraktiv zu gestalten, was ihre Attraktivität bei den Anzeigenkunden und Lesern steigert.
zt: Ist die Automatisierung des Zeitungsproduktionsworkflows mit irgendeinem Risiko verbunden oder kann man ein solches Vorhaben falsch angehen? Haben Sie einen Ratschlag oder Tipp, der den Zeitungen helfen kann, Fehler in dieser Hinsicht zu vermeiden?
A. K. Jönsson: Wir sehen keine Risiken. Der Zeitungsdruck gehört nicht zu den spektakulärsten Produktionsverfahren, sodass eine Automatisierung höchst willkommen ist. Wichtig ist, dass ein Zeitungsdruckzentrum über gut qualifizierte Leute verfügt, die ständig an der Prozessverbesserung arbeiten. In früheren Jahren konnte man für den Versandraumbetrieb Leute von der Straße anheuern, denn die Druckmaschinen waren nicht so schnell und der Paketstrom war nicht so groß, sodass starke Arme und ein starker Rücken genügten. Heute ist der Prozess viel komplexer und zeichnet sich durch hohe Druckmaschinengeschwindigkeiten und einen starken Paketstrom aus, doch er ist vollständig automatisiert und erfordert nur eine Beaufsichtigung sowie Versorgung mit Verbrauchsmaterialien. Die Maschinenführer verfügen über Elektronik- und Computerkenntnisse zur Steuerung des Prozesses und es ist von höchster Bedeutung, dass die routinemäßigen Qualitätskontrollen gut durchgeführt und dokumentiert werden.