Publish Asia 2005: Publishing weiter auf Erfolgskurs
Die Publish Asia in Bangkok (April 2005) war eine der anregendsten Konferenzen seit langem.
Das von Ifra Asia organisierte Gipfeltreffen der Verlagswelt griff viele brandaktuelle Themen der Zeitungsbranche auf – vom Kompaktzeitungstrend über die Zukunft des Anzeigengeschäfts bis hin zum Kampf um junge Leser – und beleuchtete sie eingehend.
Den Auftakt der Konferenz bildeten Themenblöcke zu CTP „von A bis Z“ und zum Rubrikanzeigengeschäft in der Krise; beendet wurde die Veranstaltung mit Workshops zum Anzeigenverkauf und zum Thema Führerschaft. Vertiefende Module zu Themen wie Investitionsstrategien, Makulaturkontrolle, Vertrieb, hochwertiger Qualitätsdruck und Prepress-Workflow sowie eine kleine Ausstellung rundeten das Programm ab. Insgesamt verzeichnete die Veranstaltung rund 600 Teilnehmer.
Potenzial und Tücken des Kompaktformats
Kein Konferenzprogramm wäre heute komplett, wenn nicht auch der Formatwechsel ein Thema wäre. Und das völlig zu Recht. In Bangkok erläuterte Terry Grote, Managing Director der Zeitung The Independent in London die Überlegungen und Entscheidungen vor der Einführung einer Kompaktausgabe im September 2003 – die eine Auflagensteigerung von 20 Prozent auslöste.
Für Grote war dies ein „aufregender und spannender, aber auch ein nicht unproblematischer Weg“. Als die Kompaktausgabe parallel zur Broadsheet-Version eingeführt wurde, „hatten wir keine Ahnung, dass wir das Broadsheet-Format letzten Endes komplett aufgeben würden“. Mit der Umstellung auf das kleinere Format konnte The Independent mehr weibliche Leser, mehr jüngere Leser (15-24-Jährige) sowie mehr Leser aus der gehobenen ABC1-Zielgruppe ansprechen.
Überdies wurde die Zeitung mehr gelesen und die Leser waren zufriedener – 93 Prozent der Leser bezeichneten ihre Zeitung als „gut“ oder „ausgezeichnet“.
Die Zeitung war nun in der Lage, gewisse Preiserhöhungen durchzusetzen und plant ein Redesign, bei dem die Anzahl der Spalten von sechs auf sieben erhöht werden soll, was sich ebenfalls positiv auf die Einnahmensituation auswirken dürfte.
Manfred Werfel, der stellvertretende CEO der Ifra ging auf die möglichen Tücken bei der Formatumstellung ein, wie die Anzeigenproblematik, mit der Grote und The Independent konfrontiert waren, oder die Notwendigkeit eines Seitenplanungssystems, um die korrekte paarweise Zusammenstellung der kleinformatigen Seiten zu gewährleisten. Für die Produktion selbst empfahl er den Einsatz von Schneide- und Heftanlagen, um das optische Erscheinungsbild des Tabloidproduktes zu verbessern.
Hardev Kaur, Editor-at-large bei der Zeitung New Straits Times of Malaysia, beschrieb, wie die Umstellung auf das Kompaktformat (die Broadsheet-Ausgabe wurde im April eingestellt) nach zehn Jahren rückläufiger Entwicklung einen Verjüngungsprozess für ihre Zeitung auslöste. Doch sie betonte auch: „Diese Entwicklung ist für uns noch nicht abgeschlossen, es liegt noch viel Arbeit vor uns.“
Die Märkte der Zukunft
Andre Nair, Vorsitzender und CEO of Mediaedge:cia Asia Pacific, warf einen Blick in die Zukunft und beleuchtete, wie sich der Werbe- und Marketingbereich verändern. Die Konsumenten haben mehr Auswahlmöglichkeiten denn je, so Nair. Das Verbraucherverhalten ist von hoher Fragmentierung und aktiver Werbevermeidung (beispielsweise durch die Nutzung von Videorekordern) gekennzeichnet. Zwar verfügen die Konsumenten über genügend Geld, aber über wenig Zeit, und sie fühlen sich durch die Flut von Informationen und Werbebotschaften überlastet. Und schließlich sind die großen Einzelhandelskonzerne wie Wal-Mart oder Tesco dabei, selbst zu Medienbaronen zu werden.
Trends bei Anzeigenwerbung
In einer Nachmittagssitzung zum Thema Anzeigenwerbung ging Peter Zollman vom Consulting-Unternehmen Classified Intelligence, auf die Krise im Rubrikanzeigengeschäft ein. „Es wird in naher Zukunft nicht besser“, so seine Prognose. Peter Zollman nannte die Trends für 2005: E-Commerce-fähige Anzeigen; kostenlose Anzeigen; Web-to-Print-Publishing (Online-Buchung von Printanzeigen); Kombination von Gelben Seiten und Rubrikanzeigen; Anzeigenbuchung durch Kunden; sowie die doppelte Gefahr durch Craigslist und eBay. Eine Möglichkeit für Zeitungen, ihr Terrain zu verteidigen, liegt darin, Event-Auktionen zu veranstalten, die ihnen ermöglichen, an der Transaktion mitzuwirken. „Das ist im Prinzip eBay gesponsort durch Zeitungen“, so Zollman.
Sally Winfield, ehemalige Rubrikanzeigenleiterin bei Associated Newspapers in London und nun Geschäftsführerin der Kleinanzeigenzeitung Loot, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit dem Thema „Leadership“, wobei sie als Beispiel für Führungsstärke Sir Ernest Shackleton auf seiner fast gescheiterten Polarexpedition im Jahr 1914 anführte.
Mike Blinder, der Verkaufsspezialist für Multimedia-Werbung, erläuterte Verkaufsstrategien für Print- und Online-Werbung. Der Verkauf von Werberaum im Internet unterscheidet sich seiner Ansicht nach nicht vom Verkauf von Werbung für andere Medien: „Wenn man vor 400 Jahren eine Kuh verkaufen wollte, nagelte man einen Zettel an einen Baum. Daran hat sich im Prinzip nichts geändert – nur der Zettel und der Baum.”
Tham Kai Wor, bis vor kurzem Marketingleiter bei Singapore Press Holdings, erläuterte, wie SPH es schaffte, einen Marktanteil von 50 % am Werbekuchen in Singapur zu erzielen. „SPH hat kein Monopol auf die Leser“, so der Referent. „Im heutigen Wettbewerb konkurrieren wir um die Zeit der Leser.“
Am Abend dieses Konferenztages wurden die Asia Media Awards verliehen. Dabei konnten SPH-Zeitungen elf der Preise einheimsen. Der erste Preis für die beste Druckqualität auf einer doppelbreiten Rotationsmaschinen ging jedoch an die japanische Zeitung Yomiuri Shimbun.
Strategie, Strategie, Strategie
Am zweiten Tag erläuterte Buchautor Mark Daniell einige Richtlinien für den Erfolg mit strategischer Planung. David Armstrong, Chefredakteur der South China Morning Post in Hongkong, referierte über den Boom der chinesischen Zeitungsindustrie. „Deng Xiaoping sagte: ‚Reich sein ist ruhmreich’. Die Zeitungen haben sich diesen Satz zu Herzen genommen“, so Armstrong.
Aus Indien war Girish Agarwal gekommen, einer der Direktoren der Dainik Bhaskar-Gruppe. Er zeigte auf, wie sein Unternehmen vor der erfolgreichen Einführung einer neuen Zeitung in der Landessprache Gujarati genau den Markt der potenziellen Kunden (1,2 Millionen) sondierte. Nach 19 Monaten hat die neue Zeitung eine Auflage von 578 000 Exemplaren.
Die Zukunft der neuen Medien
Ifras Fachmann für mobile Medien, Stig Nordqvist, und Sandy Prieto-Romualdez, CEO des Philippine Daily Inquirer, erläuterten, wie Print- und mobile Medien einander ergänzen können.
Vermutlich der Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung war der Vortrag von Rob Curley vom Lawrence World-Journal in Kansas, wo der Internet-Bereich das Wachstum von Print und TV fördert – und dem Medienunternehmen vor allem jüngere Leser bringt. Es war eine Glanzleistung des Internet-Pioniers. Ein CEO sagte zu mir: „Er zeigte auf, wie man all die Dinge mit Online und Print realisieren kann, die laut unseren eigenen Leuten nicht machbar sind.“
Mike Coleman, der Präsident der Zeitungssparte von Gannett South, rundete den Tag ab, indem er die Gannett-Strategie zur Gewinnung junger Leser mittels eigener Jugendmagazine erläuterte. Diese kostenlosen Magazine erzielen nach einem Jahr bereits Gewinn und haben sich nach zwei Jahren amortisiert. „Wir veröffentlichen derzeit neun dieser Publikationen und haben zahlreiche weitere geplant“, so Coleman.
Page first published: 23.05.2005




