ReaderRating: Interview mit Prof. Dr. Thomas Laukamm
ReaderRating heißt ein neues Verfahren zur Internet-
zeitungstechnik: Sie haben mit Ihrem Unternehmen ein Verfahren für Zeitungen entwickelt, mit dem die Redaktionen mehr darüber erfahren können, wie die Leser die einzelnen Rubriken und Artikel bewerten. Wie funktioniert das ReaderRating-
Prof. Dr. Thomas Laukamm: Unser Ansatz ist folgender: Wir blenden Fragen auf Internetseiten ein, die die zu bewertende Zeitungsseite zeigen. Der Leser kann durch Anklicken von entsprechenden Kästchen standardisierte Antworten geben (Der Artikel ist „interessant“, „sehr interessant“ usw.); er kann aber auch (ggf. zusätzlich) frei formulierte Kommentare abgeben. Wie ein Pilottest bei der Saarbrücker Zeitung ergeben hat, ist das Interesse des Lesers an dieser Kommentarfunktion verblüffend hoch. Der Leser benötigt außer einem PC mit Internetzugang keine neuartigen, zusätzlichen Geräte. Er kann wie gewohnt in Ruhe seine Zeitung lesen und dann mit ein paar Mausklicks die Fragen beantworten. Ein Rückkanal sorgt dafür, dass die Antworten in Echtzeit bei uns eingehen und sofort verwertbar sind. ReaderRating ist patentrechtlich geschützt (für Europa-
zt: Worin besteht das Angebot an den Verlag konkret?
Prof. Dr. Laukamm: Der Verlag kann jeden Tag individuelle Fragen zu ausgewählten Zeitungsseiten, Artikeln, Rubriken oder Werbeanzeigen formulieren, die dann den Lesern über die Website der Zeitung unterbreitet werden. Einzelne Fragen können jederzeit auf Wunsch von uns geändert oder hinzugefügt werden (das dauert nur wenige Minuten). In der Regel stellt der Verlag die PDFs der Zeitungsseiten oder ein E-
zt: Welche Schlüsse kann die Redaktion aus den Ergebnissen ziehen?
Prof. Dr. Laukamm: Statt weiter im Nebel zu stochern, erfährt die Redaktion endlich, was beim Leser gut ankommt und was weniger gut. Sie erfährt auch einiges über das Leserverhalten (wann wird gelesen, von wie vielen Personen, besondere Interessen usw.). Mittels des ReaderRating-
zt: Wie viele Leser müssen regelmäßig befragt werden, um repräsentative Aussagen zu bekommen?
Prof. Dr. Laukamm: Verfahrenstechnisch ist dem ReaderRating keine Begrenzung nach oben gesetzt, was die Zahl der Teilnehmer an der Befragung angeht. Damit kommt das „Gesetz der großen Zahl“ zum Tragen: Je mehr Teilnehmer, desto repräsentativer! Interessant wird es so ab 100 Teilnehmern. Da die individuelle Beantwortungszeit jedes Teilnehmers gemessen und übertragen wird, können „Schnellklicker“ herausgefiltert werden, die vielleicht nur wegen eines Gewinnspiels mitmachen.
zt: Welche Vorteile hat es, wenn ein Panel ausgewählter Leser befragt wird?
Prof. Dr. Laukamm: Ein Panel hat normalerweise den Vorteil, dass man mehr über die einzelnen Personen weiß (leider verfügen die Zeitungen oft nur über spärliche Informationen über ihre Leser). Die Probanden fühlen sich bzw. sind stärker in der Verantwortung, was eine sorgfältige Durchführung betrifft. Man ist nicht vom Zufall der Teilnahme abhängig. Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wenn man sich nicht auf ein Panel festlegt, bekommt man unter Umständen mehr Feedback.
zt: Über welchen Zeitraum läuft eine solche Befragungsaktion?
Prof. Dr. Laukamm: Normalerweise läuft eine Befragungsaktion 3 bis 4 Wochen; aber mit wechselnden Zeitungsseiten, Lokalausgaben und Ressorts (Sport, Wirtschaft usw.). Es können auch, z.B. aus aktuellem Anlass, kurzfristig Befragungen durchgeführt werden. Die Vorlaufzeit beträgt ca. 1 Stunde. Normalerweise beträgt der Vorbereitungsaufwand etwa 2 Tage (Festlegung der Fragen und der zu bewertenden Zeitungsseiten).
zt: Wäre es sinnvoll, den Test nach einer gewissen Zeit zu wiederholen, um zu sehen, ob positive Veränderungen erreicht wurden?
Prof. Dr. Laukamm: Es gibt zwei Ansätze: Entweder man wiederholt den Test in einem gewissen zeitlichen Abstand oder man etabliert das ReaderRating als Dauertest. Als permanente Einrichtung kann dieses Tool ständiges Feedback liefern und auch für Experimente genutzt werden, ob etwas Neues ankommt oder nicht.
zt: Welchen Anreiz bekommen die Leser für die Beantwortung der Fragen geboten?
Prof. Dr. Laukamm: Neben der Verlosung von Reisen sind Incentives wie Gutscheine, Elektronikartikel usw. oder die Auswahl aus dem Prämienkatalog der Zeitung (Abo-
zt: Was kostet es einen Verlag, Ihren Service in Anspruch zu nehmen?
Prof. Dr. Laukamm: Zur Einführung kostet der Service ca. 50 Euro pro Zeitungsseite pro Tag. Dafür bekommt die Redaktion täglich eine Excel-
zt: Das Verfahren wurde schon in einem Pilotprojekt bei der Saarbrücker Zeitung getestet, mit welchen Ergebnissen?
Prof. Dr. Laukamm: Die SZ war sehr skeptisch und voller Bedenken, vor allem wegen des „Medienbruchs“ (Anm. d. Red: Der Leser muss die Zeitung aus der Hand legen und für die Bewertung an den PC gehen). Nach vier Wochen waren aber alle begeistert: Die Leser, die Redaktion – und wir auch.
Das Interview führte Charlotte Janischewski
Page first published: 23.01.2007




